Weibliche Stadtverordnete in Halle
Halle ist neben Magdeburg die zweite Großstadt der Preußischen Provinz Sachsen, die in diesem Forschungsprojekt untersucht werden. Im Jahr 1925 hatte Halle rund 194.000 Einwohner:innen. Als Universitätsstadt verfügte Halle über ein alteingesessenes Bürgertum, war aber auch von Industrie geprägt und von einer stark politisierten Arbeiterschaft.
Stadtverordnetenwahl 1919
Zur ersten Stadtverordnetenwahl in Halle am 2. März 1919 kandidierten insgesamt 37 Frauen. Die meisten kandidierten für die Unabhänigige Sozialdemokratische Partei (USDP) - 7 Frauen - , für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) - 9 Frauen - und für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) - 8 Frauen. Es zogen insgesamt zehn Frauen ins Stadtparlament ein, für die USPD Minna Binner, Marie Schmidt und Frieda Rappsilber; für die DNVP Franziska Hündorf und Marie Boltze, für die DDP Margarete Schrecker, Hedwig Kathe und Dr. Auguste Lange. Für die Mehrheits-Sozialdemokraten (MSDP) zog Minna Möbius ins Stadtparlament ein und für eine parteilose Liste Irma Wolff.
Diese Wahl wurde wegen Unregelmäßigkeiten im von der Revolution aufgerührten Halle angefochten und am 27. April 1919 wiederholt. Die Wahllisten wurden erneuert, und einige Frauen, die im März gewählt worden waren, traten nicht mehr an. Insgesamt kandidierten 40 Frauen, wovon sieben durch direkte Wahl ins Stadtparlament einzogen: Für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) Margarete Schrecker, Hedwig Kathe und Dr. Auguste Lange, für die USPD Minna Binner, Marie Schmidt und Hedwig Krüger und für die DNVP Marie Boltze. Es rückten außerdem Klara Mampel für die DNVP im März 1920, Martha Fehse für die USPD im Oktober 1921, Marie Gessing (USPD) im Februar 1922 und Margarete Bennewiz (DDP) im Mai 1922 nach.
Stadtverordnetenwahl 1924
Zur Stadtverordnetenwahl am 4. Mai 1924 kandidierten neun Frauen für den "Vaterländischen Ordnungsblock", für den sich alle bürgerlichen Parteien zusammengeschlossen hatten. Für diese Liste wurden Margarete Vehse und Klara Mampel ins Stadtparlament gewählt. Für die Vereinigte Sozialdemokratische Partei (SPD) kandidierten sechs Frauen, wovon die bestplatzierte Klara Becker zur Stadtverordneten gewählt wurde. Außerdem zogen Anna Hermann und Hedwig Krüger für die Kommunistische Partei (KPD) ins Stadtparlament ein.
Stadtverordnetenwahl 1929
Zur Stadtverordnetenwahl am 17. November 1929 kandidierten sechs Frauen auf der bürgerlichen Liste "Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft", wovon Klara Mampel und Katharina Ohlerich ins Stadtparlament einzogen. Für die Kommunistische Partei (KPD) kamen drei Frauen ins Stadtparlament, Martha Schlegel, Margarete Gruner und Hildegard Lehmann; für die SPD Rosa Worlitz. Von 58 Sitzen waren sechs an Frauen vergeben, was einen Frauenanteil von 10,3 Prozent ausmacht. 1930 und 1931 rückten die Bürgerlichen Margarete Leo und Marie Bischoff nach.
Stadtverordnetenwahl 1933
Bei der Stadtverordnetenwahl am 12. März 1933 wurden offiziell fünf Frauen gewählt. Den Kommunistinnen Charlotte Bölke und Hildegard Lehmann wurde das Mandat noch im März 1933 entzogen, die Sozialdemokratin Rosa Worlitz legte am 19. April 1933 ihr Mandat aus Protest gegen die politische Verfolgung nieder. Die DNVP-Mitglieder Klara Mampel und Else Sennewald nahmen ihre Stadtverordnetenmandate bis zur Abschaffung des Stadtparlaments Ende des Jahres 1933 wahr.

Quellen:
- Courage e.V. Halle (Hg.): "Der Staat ist, was seine Frauen sind". Hallenser Parlamentarierinnen in der Zeit der Weimarer Republik (1918–1933), Halle/Saale 2003, S. 5-8; S. 76-82
- Stadtarchiv Halle: Verzeichnis der Stadtverordneten in der Weimarer Republik
