Margarete Leo (1886-1973)
Emmy Margarete Leo (geb. Fölsche) wurde am 31. Januar 1886 in Halle geboren. Sie entstammte gutbürgerlichen Verhältnissen. 1908 heiratete sie den Juristen Julius Walter Leo und zog mit ihm nach Hagen (Westfalen). Das Ehepaar bekam drei Töchter. Zusammen mit ihrem Mann engagierte sie sich 1918/19 als Rednerin für die Deutsche Volkspartei (DVP). Nach dem Tod von Julius Leo im Jahr 1922 kehrte Margarete Leo nach Halle zurück. Sie wohnte in der Dessauer Straße 2a und war zunächst in der Firma ihrer Brüder tätig.
Hier nahm sie ihr politisches Engagement wieder auf und leitete ab 1924 die örtliche Frauengruppe der DVP. 1926 wurde sie angestellte Geschäftsführerin der Partei für die Stadt und den Kreis Halle, was für eine Frau eine ungewöhnliche Position zu dieser Zeit war. Ihre Kandidaturen für den Provinziallandtag und das Preußische Landesparlament blieben erfolglos. 1929 kandidierte sie erstmalig zur Stadtverordnetenwahl in Halle auf dem 31. Listenplatz der bürgerlichen Städtischen Einheitsliste. Sie erhielt nicht direkt ein Mandat, rückte jedoch im März 1930 nach. Als gewählte Stadtverordnete war sie unter anderem im Petitions- und Kleinwohnungsausschuss, im Kuratorium der Handwerker- und Kunstgewerbeschule, sowie in der Deputation für das Jugendamt tätig. Leo war auch Mitglied in Verband der weiblichen Handels- und Büroangestellten und seit 1928 ehrenamtliche Schöffin beim Arbeitsgericht Halle. Im März 1933 kandidierte sie erneut, erhielt jedoch kein Stadtverordnetenmandat.
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme ging die Auflösung der DVP einher und Leo verlor ihre Anstellung. Sie baute sich eine neue berufliche Existenz als Versicherungsmaklerin auf. Während der NS-Zeit sorgte sich Leo engagiert um ihre drei inzwischen erwachsenen Töchter, die als sogenannte "Halbjüdinnen" von der nationalsozialistischen Verfolgung bedroht waren. Nach Ende des Krieges trat sie der CDU bei, zog dann für einige Jahre zur Familie ihrer ältesten Tochter, der Fotografin Gerda Leo, in die Niederlande. Vermutlich im Jahr 1950 wurde sie ausgewiesen. Sie lebte fortan in der Bundesrepublik, im Rheinland und in Wehrheim im Taunus. Margarete Leo starb 1973.
Quellen:
- Courage e.V. Halle (Hg.): "Der Staat ist, was seine Frauen sind". Hallenser Parlamentarierinnen in der Zeit der Weimarer Republik (1918–1933), Halle/Saale 2003, S. 45-48
- Stadtarchiv Halle: Margarete Leo-Fölsche (1886-1973). Lebenserinnerungen; Heiratsregister A 2.1 / 2 / H 1908/2 Nr. 309
