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Das Forschungsprojekt "Weibliche politische Partizipation"

Das Forschungsprojekt wird seit November 2022 vom Land Sachsen-Anhalt (Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt Sachsen-Anhalt) gefördert. Es wird eine umfassende geschichtswissenschaftliche Studie erstellt, in der die weibliche politische Partizipation in der Region Sachsen-Anhalts auf kommunaler Ebene seit den 1890er Jahren bis zum Beginn der nationalsozialistischen Diktatur untersucht wird. Die Ergebnisse werden 2026 in einer Monografie veröffentlicht.

Forschungsfragen

Ab 1918 konnten sich Frauen in Deutschland selbst zur Wahl stellen und in die Parlamente der Weimarer Republik einziehen, und zwar auf überregionaler, aber auch lokaler Ebene – etwa in die Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen. Diese Chance nahmen zahlreiche Frauen wahr, die schon zuvor durch das Engagement in ihrer Stadt oder Gemeinde außerhalb parlamentarischer Strukturen gewirkt hatten. Sie waren als die ersten demokratisch gewählten Parlamentarierinnen im lokalpolitischen Bereich Pionierinnen in ihrem Feld, ihr Wirken ist jedoch bisher kaum untersucht worden.

Das Forschungsprojekt fragt mit in einem regionalspezifischen Zugriff nach dem quantitativen Umfang weiblicher Mandate in den kommunalpolitischen Parlamenten; nach der Repräsentanz von Frauen in den unterschiedlichen Parteien, die in den Kommunalparlamenten vertreten waren; nach der Kontinuität der kommunalpolitischen Arbeit von Frauen und nach der Verflechtung ihres zivilgesellschaftlichen bzw. frauenbewegungspolitischen und mandatsbezogenen Engagements. Darüber hinaus soll untersucht werden, wie sich die Politikerinnen in die männlich geprägten Räume der Kommunalpolitik einbrachten und diese durch ihr Handeln veränderten. Dabei spielt eine Rolle, mit welchen Themen sie sich befassten, wo sie eventuell Einschränkungen oder begrenzenden Zuweisungen unterlagen und wie sie ihre Handlungsräume ausweiteten und in ihnen wirkten.

Forschungskontext

Das Forschungsprojekt möchte einen explizit landesgeschichtlichen Beitrag zur Beteiligung von Frauen an Politik und Gesellschaft, der Entstehung des modernen Gemeinwesens und der Beförderung des Demokratisierungsprozesses im Raum Sachsen-Anhalt zwischen den 1890er Jahren und 1933 leisten. Für diesen von politischen und gesellschaftlichen Zäsuren geprägten Zeitraum – von der Monarchie des Deutschen Kaiserreichs, über den Ersten Weltkrieg und die Revolution bis zur Gründung der Weimarer Republik als erste deutsche Demokratie – soll herausgearbeitet werden, welche Standpunkte Frauen als politisch Aktive verschiedenster Couleur vertraten und wie sie diese auf kommunalpolitischer Ebene umzusetzen suchten. Die Studie verfolgt einen geschlechterhistorischen Forschungsansatz und zielt auf einen Beitrag zur Politik-, Sozial-, Mentalitäts- und Kulturgeschichte der Region.

Letzte Änderung: 04.08.2025 -
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