Weibliche politische Partizipation im Raum Sachsen-Anhalt. Frauen in der kommunalen Politik 1893 - 1933
Auf dieser Projektwebsite werden alle Frauen in 18 ausgewählten Städten aus der damaligen Preußischen Provinz Sachsen und dem Freistaat Anhalt vorgestellt, die in der Weimarer Republik (zwischen 1919 und 1933) Stadtverordnete waren - von B wie Bernburg, über N wie Neuhaldensleben bis W wie Wittenberg.
Die Karte zeigt 153 weibliche Stadtverordnete in 18 Städten des heutigen Sachsen-Anhalts zwischen 1919 und 1933
Auf der Karte sind die Kommunalpolitikerinnen durch Standortmarkierungen farblich ihren politischen Ausrichtungen zugeordnet. Die Farben werden in der Legende über der Karte erklärt. Fast alle Kommunalpolitikerinnen sind an ihrer damaligen Wohnadresse verortet, die über Zoomen in die Karte zu entdecken ist. Die Stadtverordneten, deren Wohnadresse nicht ermittelt werden konnte, sind im Rathaus platziert. Über das Ebenensymbol können die Zeiträume zwischen den Wahlen ein- und ausgeblendet werden. Damit wird sichtbar, wann die angezeigten Kommunalpolitikerinnen als Stadtverordnete tätig waren. Die Zeiträume bilden den üblichen Abstand zwischen regulären Kommunalwahlen in der Preußischen Provinz Sachsen ab. Außerdem sind ausgewählte Frauenvereine und die 18 Rathäuser der Städte markiert, die untersucht werden. Alle Personen, Vereine und Städte sind mit zusätzlichen Informationen hinterlegt. Diese können über die Verlinkungen in den Standortmarkierungen angewählt werden.

Frauen bekamen mit der Gründung der Weimarer Republik 1918/1919 das Wahlrecht zugesprochen. Das heißt, sie durften erstmals bei Parlamentswahlen teilnehmen - als Wählerinnen und als Kandidatinnen. Dies nutzten Frauen in der Region Sachsen-Anhalt, um sich aktiv in der Politik einzubringen. Das politische Spektrum reichte dabei von den rechtskonservativen Parteien, die hier unter "Bürgerliche" zusammengefasst sind, über die liberale Deutsche Demokratische Partei (hier "Demokratinnen") bis zu den sozialdemokratischen und sozialistischen oder kommunistischen Arbeiterparteien. Viele Frauen knüpften an ihr Engagement in bürgerlichen Frauenvereinen und parteipolitischen Frauenorganisationen an. Einige Politikerinnen hatten schon jahrelang für das Frauenwahlrecht gekämpft. Sie waren Pionierinnen auf der kommunalpolitischen Ebene, vor allem in den Bereichen der Mädchen- und Frauenbildung, Gesundheit und Fürsorge. Das waren wichtige kommunale Aufgaben in Zeiten von Nachkriegsfolgen, Inflation und Wirtschaftskrise. Als die Nationalsozialisten 1933 eine Diktatur errichteten, drängten sie Frauen aus der Politik heraus und verfolgten politische Gegnerinnen.