Proletarische Frauenbewegung in der Region

Im Zusammenhang mit der Arbeiterbewegung bildete sich in den 1880er und 1890er Jahren eine eigenständige proletarische Frauenbewegung heraus, die immer im organisatorischen und ideologischen Zusammenhang mit der Sozialdemokratie bestand. 1891 nahm die Sozialdemokratische Partei (SPD) auf ihrem Erfurter Parteitag das Frauenwahlrecht als erste Partei in ihr Programm auf. Erst 1908 ermöglichte das erneuerte Preußische Vereinsgesetz, dass Frauen Mitglieder politischer Parteien werden konnten. Zuvor hatten die Frauen aus der Arbeitebewegung andere Wege gefunden, um sich politisch zu engagieren. Ein wichtiges Mittel war die Gründung von Frauenbildungs- und Unterstützungsvereinen, die im direkten Umfeld der SPD entstanden. Ein Beispiel ist Minna Bollmann, die in Halberstadt einen solchen Verein ins Leben rief. Die Frauenbildungsvereine waren eine Keimzelle für politisches Bewusstsein und Solidarität unter Arbeiterinnen. Eine weitere wichtige Organisation für proletarisches Engagement war die 1919 gegründete Arbeiterwohlfahrt (AWO), die maßgeblich von Sozialdemokratinnen getragen und geleitet wurden, in Magdeburg etwa von Concordia Hartmann und in Neuhaldensleben von Minna Otto. Die SPD integrierte in ihre Parteistruktur außerdem Frauengruppen und es fanden überregionale sozialdemokratische Frauenkonferenzen statt, an denen auch Kommunalpolitikerinnen aus der Region des heutigen Sachsen-Anhalts teilnahmen, etwa Emilie Weber aus Dessau, Frieda Fiedler aus Bernburg oder Anna Süss aus Burg.
Auch in der kommunistischen Bewegung gab es Frauengruppen wie den Roten Frauen- und Mädchenbund. Kommunistinnen wie Anna Hermann in Halle, Frieda Koenen in Merseburg und Lina Philipp in Halberstadt engagierten sich außerdem in Ortsgruppen der Internationalen Arbeiterhilfe oder waren in genossenschaftlichen Strukturen aktiv.

Letzte Änderung: 13.04.2026 -
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