Frieda Koenen (1890-1968)
Frieda Koenen (geb. Bockentien) wurde am 18. April 1890 in Flensburg geboren. Sie arbeitete seit ihrem 14. Lebensjahr als Hausmädchen und in einer Schneiderei. In Hamburg lernte sie ihren späteren Ehemann, Bernhard Koenen kennen, der aus einer politischen Familie stammte. Frieda Koenen trat 1913 zunächst in die SPD, dann zusammen mit ihrem Mann in die sozialistische Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USDP) und 1920 in die Kommunistische Partei (KPD) ein. Das Paar bekam zwei Söhne, 1920 und 1921 geboren. Die Familie wohnte in der Meuschauerstraße 19, ab 1920 in der Seffnerstraße 4.
Frieda und ihr Ehemann Bernhard Koenen gehörten zu den führenden Kommunist:innen in der Region. Frieda Koenen hatte zahlreiche Ämter in der KPD und ihrem Umfeld inne; sie war Kreisleiterin der "Roten Hilfe", seit 1920 Mitglied der Frauenkommission des Parteibezirks Halle-Merseburg und im Kreis Merseburg für die Frauenarbeit der KPD zuständig. Zusammen mit Marie Ahlers aus Eisleben besuchte sie 1929 die Bezirksparteischule. Bernhard Koenen war Bezirkssekretär und langjähriger Stadtverordneter und Wortführer der kommunistischen Fraktion.
1919 kandidierte Frieda Koenen bei der ersten Stadtverordnetenwahl in Merseburg auf dem siebten Listenplatz der USPD-Liste. Sie gewann ein Mandat und setzte sich unter anderem für die Volksküche und die Säuglingsfürsorge ein. Sie wurde in die Armen-Deputation, Krankenhaus-Deputation, Marktkommission, Haushaltskommission und Lebensmitteldeputation gewählt. Im Januar 1921 legte sie ihr Mandat aus gesundheitlichen Gründen nieder. Frieda Koenen setzte ihr Engagement in den kommunalen Gremien jedoch weiter fort. Sie wurde in den 1920er Jahren wiederholt als Mitglied der Hebammenstelle bestätigt und "als Bürgerin" sowie als Vertreterin der Internationalen Arbeiterhilfe in den Fürsorge-Ausschuss und in die Deputation der Kleinkinderbewahranstalten gewählt. Sie kandidierte bei allen weiteren Stadtverordnetenwahlen 1924, 1929 und 1933 für die KPD, zog jedoch nicht mehr in das Stadtparlament ein.
Frieda und Bernhard Koenen gehörten wie ihr Umfeld zu den politischen Gegner:innen der Nationalsozialisten und wurden ab Frühjahr 1933 verfolgt. Bernhard Koenen wurde beim sogenannten Eislebener Blutsonntag im Februar 1933 durch Angriffe von SA- und SS-Männern schwer verletzt. Nach dem Brand des Reichstags am 27. Februar 1933 wurde das Haus der Koenens durchsucht und verwüstet. Das Ehepaar tauchte in Leipzig unter und floh noch im Sommer 1933 in die Sowjetunion. Die Söhne meldeten sich nach dem Angriff Deutschlands 1941 zum Kriegsdienst bei der Sowjetischen Armee, einer von ihnen blieb verschollen.
1945 kehrten Frieda und Bernhard Koenen nach Deutschland zurück und beteiligten sich am Aufbau der Sozialistischen Einheitspartei (SED) und der politischen Strukturen in ihrer alten Heimat. Frieda Koenen engagierte sich in Frauenausschüssen und wurde die Leiterin des Frauensekretariats in der Provinzialleitung der SED. 1947 gehörte sie zu den Gründerinnen des Demokratischen Frauenbunds Deutschlands (DFD). Sie wurde außerdem Abgeordnete im Landtag Sachsen-Anhalt. Nach der Staatsgründung leitete sie die Abteilung Schule im Innenministerium der DDR. Frieda und Bernhard Koenen erhielten in der DDR große Anerkennung. Frieda Koenen starb am 17. November 1968 in Ost-Berlin.
Quellen:
- Stadtarchiv Merseburg: M I 148 Materialsammlung zu Frieda und Bernhard Koenen
- Christa Jacob: Frieda Koenen. Stationen ihres Lebens und Kampfes an der Seite ihres Mannes Bernard (= Zur Geschichte der Arbeiterbewegung im Bezirk Halle. Biographien und Erinnerungen, Heft 16) Halle 1983
