Minna Bollmann (1876-1935)

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Minna Anna Bollmann (geb. Zacharias) wurde am 31. Januar 1876 in Halberstadt geboren. Sie entstammte einer sozialdemokratischen Familie, so war ihr Vater, der Schneidermeister August Zacharias, 1863 der Mitgründer einer der ersten Arbeitervereine der Region.

Minna Bollmann absolvierte die Lehre zur Schneiderin und war bis zu ihrer Heirat 1896 berufstätig. Sie heiratete Max Bollmann, der wie sie aus einer traditionsreichen sozialdemokratischen Familie stammte. Ihre Schwiegermutter Johanna Bollmann führte die Gaststätte in Halberstadt, die während der Repression gegen die sozialdemokratische Partei im Kaiserreich der Treffpunkt illegaler politischer Versammlungen war. Minna und Max Bollmann übernahmen die Gaststätte und führten sie als Parteilokal der SPD weiter. Sie wohnten im selben Haus, in der Bakenstraße 63. Das Paar bekam drei Kinder.

Minna Bollmann mitgründete 1901 einen Frauenbildungsverein in Halberstadt, der der sozialdemokratischen Partei (SPD) nahestand, während es Frauen noch verboten war, Mitglied in politischen Parteien zu sein.  Minna Bollmann war schon vor dem sogenannten Reichsvereinsgesetz (1908) überregional für die SPD tätig, so nahm sie 1907 an der Ersten Internationalen Konferenz Sozialistischer Frauen in Stuttgart teil. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete sie als Bezirkspflegerin im sozialen Hilfswerk für Kriegerfrauen, Witwen und Waisen.

Im Januar 1919 wurde Minna Bollmann für die SPD in die Verfassunggebende Nationalversammlung der Weimarer Republik gewählt. Ab 1921 war sie Landtagsabgeordnete. Sie war als Spitzenkandidatin der SPD im Wahlkreis 10 (Magdeburg) für den Preußischen Landtag angetreten. Auch bei allen drei weiteren Landtagswahlen kandidierte sie auf Platz 1 - als einzige Frau in Preußen in dieser hervorgehobenen Position - 1932 dann auf dem dritten Listenplatz. Minna Bollmann gehörte damit zu den einflussreichsten SPD-Politikerinnen auf überregionaler Ebene.

Auch in Halberstadt nahm sie eine hervorgehobene Position ein. Sie kandidierte zu allen Kommunalwahlen von 1919 bis 1929 als bestplatzierte Frau auf der SPD-Liste und zog jedes Mal ins Stadtparlament ein. Sie war neben der Bürgerlichen Elsbeth Schambach die zweite Frau, die durchgängig von 1919 bis zur letzten Wahl am 12. März 1933 im Halberstädter Stadtparlament vertreten war.

In den Protokollbüchern ist ablesbar, dass Minna Bollmann wiederholt bei Stadtverordnetensitzungen fehlte, was vermutlich auf ihre Verpflichtungen durch die überregionalen politischen Ämter zurückzuführen ist. Gleichzeitig nahm sie in der Stadtverordnetenversammlung in Halberstadt eine wichtige Position ein; so sind zahlreiche Berichterstattungen von ihr überliefert, insbesondere aus dem Bereich der Wohlfahrt und Kinder- und Frauengesundheit. Sie war unter anderem Mitglied der Wahlvorschlagskommission, der Wohlfahrtsdeputation und des Verwaltungsausschusses der Volkshochschule.

Zur Stadtverordnetenwahl im März 1933 trat sie nicht mehr an. Minna Bollmann erfuhr mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten die Repressionen in ihrem direkten Umfeld. Die Gaststätte Bollmann wurde von der Geheimen Staatspolizei überwacht. Unter dem Eindruck der massiven Verfolgung von Sozialdemokrat:innen und in Erwartung einer bevorstehenden Festnahme nahm sich Minna Bollmann am 9. Dezember 1935 das Leben. Trotz der Bedrohung durch die nationalsozialistische Überwachung nahmen neben ihrer Familie hunderte Freunde, Bekannte und politische Mitstreiter:innen an ihrer Beerdigung teil. 

 

Quellen:
- Stadtarchiv Halberstadt: Mag. 2.3.008 Tagesordnung der Stadtverordnetensitzungen 1901-1922; Mag 2.20.628 Protokollbuch der Stadtverordnetenversammlung über öffentliche Sitzungen; Mag. 2.20.235 Verzeichnis Zugehörigkeit der Stadtverordneten zu Kommissionen
- Barbara von Hindenburg: Biographisches Handbuch der Abgeordneten des Preußischen Landtags, Frankfurt am Main 2017, S. 238-241
- Elke Stolze: Die weiblichen „Herren Abgeordneten“. Politikerinnen der Region Sachsen-Anhalt 1918-1945, Halle/Saale 2007, hier S. 29, S. 32-38
- Eva Labouvie (Hg.): Frauen in Sachsen-Anhalt 2. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945, Köln 2019, S. 94-96

Letzte Änderung: 25.09.2025 -
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