Verfolgung von Kommunalpolitikerinnen
Die Verfolgung auf kommunaler Ebene war Teil der sogenannten „Gleichschaltung“, mit der die nationalsozialistische Partei (NSDAP) den gesamten Staatsapparat unter ihre Kontrolle brachte – auch in den kleinsten politischen Einheiten. Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten Anfang 1933 setzte eine systematische Verfolgung auch kommunaler Mandatsträger ein. Viele kommunistische und sozialdemokratische Politiker:innen wurden unter Druck gesetzt, zum Rücktritt gezwungen, öffentlich diffamiert oder durch SA-Schläger bedroht. Einige wurden verhaftet oder in sogenannte Schutzhaft genommen. Direkt im März 1933 und spätestens im Juni 1933 wurden die demokratisch gewählten kommunistischen und sozialdemokratischen Vertreter:innen aus den Parlamenten herausgedrängt und ihr politisches Engagement unter Strafe gestellt. Von den in diesem Forschungsprojekt untersuchten weiblichen Stadtverordneten waren unter anderem die folgenden betroffen: die Kommunistin Clara Schwab aus Burg, die im März 1933 inhaftiert wurde; die Sozialdemokratin Minna Bollmann aus Halberstadt, die sich vor einer drohenden Verhaftung 1935 das Leben nahm, Elisabeth Kahmann (KPD) aus Halberstadt, die mehrere Jahre KZ- und Zuchthaus-Haft überlebte, wie auch Hedwig Krüger aus Halle und Anna Ebert aus Magdeburg. Die meisten Sozialdemokratinnen und Kommunistinnen mussten Verhaftungen, Verfolgung und Tod von Angehörigen und in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld miterleben. Einige gingen ins Exil, um Verhaftungen und Verfolgungsmaßnahmen zu entgehen, so wie die Merseburgerin Frieda Koenen.
Die am 12. März 1933 gewählten Stadtparlamente arbeiteten als "Rumpfparlamente" noch bis zum Jahresende 1933 weiter. Ab 1934 wurden sogenannte Ratsherren der NSDAP anstelle der Stadtparlamente eingeführt, womit die kommunale Selbstverwaltung faktisch abgeschafft war.
Für eher bürgerlich liberal eingestellte Politikerinnen bedeutete der Nationalsozialismus nicht zwangsläufig eine lebensbedrohliche Verfolgung. Viele zogen sich jedoch unter dem Druck des Regimes aus der Öffentlichkeit zurück. Für weibliches politisches Engagement war außerhalb der gleichgeschalteten nationalsozialistischen Organisationen, die für Frauen nur die NS-Frauenschaft und den Bund Deutscher Mädel vorsahen, kein Platz mehr.
