Concordia Hartmann (1880–1961)

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Marie Concordia Hartmann (geb. Herzberg) wurde am 20. Mai 1880 in Erfurt geboren. Sie heiratete 1904 den Buchdrucker Christoph Emil Hartmann, sie selbst war zu diesem Zeitpunkt Stepperin von Beruf. Mit ihm bekam sie mehrere Kinder. 

1919 gründete sie ein Heim zur Betreuung von Arbeiterkindern im Neustädter Fort am Milchweg. Sie war dort als Fürsorgerin tätig. Später wurde es zu einem Erholungsheim für Frauen und Ärmere erweitert. Die Trägerschaft übernahm die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die Concordia Hartmann 1927 in Magdeburg mitbegründete. Concordia Hartmann war als Geschäftsführerin der AWO tätig und bezog im Fort 6a im Milchweg eine Dienstwohnung.

Concordia Hartmann zog am 12. März 1919 für die Sozialdemokratische Partei (SPD) in das Magdeburger Stadtparlament ein. Sie war Mitglied in zahlreichen Ausschüssen, unter anderem für die Magdeburger Krankenhäuser, in der Gesundheitskommission, im Wohnungswesen-Ausschuss, im Ausschuss für das Jugendfürsorgeamt und in der Armendirektion. Dieses erste Mandat legte sie im Januar 1922 aus gesundheitlichen Gründen nieder. Im November 1925 wurde sie für die SPD in den Provinziallandtag der Preußischen Provinz Sachsen gewählt und gehörte diesem eine Wahlperiode lang an.
Am 17. November 1929 wurde sie nach erneuter Kandidatur für das Magdeburger Stadtparlament auf SPD-Listenplatz 19 wiedergewählt. Sie war in der Gesundheitskommission, im Wohlfahrtsausschuss und im Ausschuss des Jugendamtes tätig. Außerdem war sie durchgängig mindestens seit 1921 als Vertreterin der Mütter Mitglied der Kreishebammenstelle.

Concordia Hartmann kandidierte auch zur letzten Stadtverordnetenwahl am 12. März 1933. Sie stand dafür auf dem dritten Listenplatz der SPD. Im Gegensatz zu anderen SPD-Kandidat:innen nahm sie die Wahl an. Sie hielt so lange wie möglich an ihrem Stadtverordneten-Mandat fest. Von März bis Mai 1933 nahm sie an fünf Sitzungen des Stadtparlaments teil. Im April 1933 wurde sie noch in mehrere Ausschüsse und Kommissionen gewählt. Am 30. Juni 1933 wurde bekannt gegeben, dass die sozialdemokratischen Stadtverordneten durch das SPD-Parteiverbot vom 22. Juni 1933 ausgeschlossen worden waren. Dass Concordia Hartmann bis zuletzt an ihrer Präsenz im Stadtparlament festhielt, ist mit dem Wissen um die seit Jahresbeginn 1933 brutale Verfolgung politischer Gegner:innen des Nationalsozialismus bemerkenswert und zeugt von großem Mut und Widerstandswillen. Von ihrem weiteren Lebensweg zur Zeit des Nationalsozialismus ist lediglich die Heirat mit einem Herrn Donath im Jahr 1940 bekannt. Concordia Hartmann starb am 2. Juli 1961.

 

Quellen:
- Stadtarchiv Magdeburg: Rep. 18/4 I 9 Wahl der Stadtverordneten und deren Angelegenheiten 1916-1926; Rep. 18/4 I 11 – Angelegenheiten der St.V. 1933
- Eva Labouvie (Hg.): Frauen in Sachsen-Anhalt 2. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945, Köln 2019, S. 136-137

Letzte Änderung: 15.09.2025 -
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