Weibliche Stadtverordnete in Magdeburg
Magdeburg war die Hauptstadt der Preußischen Provinz Sachsen und gleichzeitig Sitz eines von zwei untergeordneten Regierungsbezirken. Als industrielles und kulturelles Zentrum der mitteldeutschen Provinz war Magdeburg für die gesamte Region bedeutend. In der Stadt an der Elbe war die Sozialdemokratie besonders stark: Magdeburg wurde während der Weimarer Republik durchgehend sozialdemokratisch regiert. Magdeburg war außerdem neben Halle das wichtigste Zentrum für die bürgerliche Frauenbewegung in der Provinz.
Frauen gestalteten die Magdeburger Kommunalpolitik in der Weimarer Republik durchgängig mit: Für den Zeitraum zwischen 1919 und Anfang 1933 lag der Frauenanteil im Magdeburger Stadtparlament immer bei ca. 10 Prozent und damit im deutschen Durchschnitt, wenn man Städte in Baden, Sachsen, Preußen, Württemberg und Bayern mit 250–500 Tausend Einwohnern als Vergleich heranzieht (Durchschnittswert für 1925: 10,7 Prozent). Insgesamt erhielten 18 Frauen zwischen 1919 und 1933 ein Mandat für das Magdeburger Stadtparlament. Die Dauer ihres Wirkens als Stadtverordnete variierte dabei sehr stark - von wenigen Monaten bishin zu mehreren Jahren über mehrere Wahlperioden hinweg.
Stadtverordnetenwahl 1919
Zur ersten Kommunalwahl in Magdeburg kandidierten auf sechs Wahllisten insgesamt 23 Frauen. Am besten platziert waren auf der Liste der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) Franziska Grube auf Platz 2 und auf der Liste der Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) Luise Panitz auf Platz 3. Alle anderen kandidierenden Frauen waren im Mittelfeld platziert, durch die hohe Anzahl an Mandaten für die SPD und DDP rückten jedoch mehrere ins Stadtparlament ein oder durch Nachnominierungen schon zu Beginn der Wahlperiode nach.
Die Liste Wittmaack (SPD) wurde mit 44 von 81 Sitzen Wahlsiegerin. Darauf folgte die Liste Böer (DDP) mit 23 Sitzen, die Liste Brandes (USPD) mit 6, die Liste Meyer mit 6 und die Listen von Handorff und Becker mit je einem Sitz. Direkt gewählt wurden Lisa Bader und Concordia Hartmann für die SPD, Franziska Grube und Marie Baltzer für die DDP sowie Luise Panitz für die USPD. Es rückten direkt nach Besetzung des Magistrats für die SPD Dorothee Kaßner und Karoline Steuerwald nach und für die DDP Klara Siedentopf. 1920 rückten Rose Meyer und 1921 Margarethe Behrens für die DDP nach. Mit den Nachrückerinnen und unter Berücksichtigung der Mandatsniederlegungen lag der Frauenanteil im Magdeburger Stadtparlament ab Januar 1922 bei 9,9 Prozent.
Stadtverordnetenwahl 1924
Bei der Kommunalwahl am 4. Mai 1924 standen acht Listen zur Wahl. Auf fünf dieser Listen standen insgesamt 24 Frauen. Am aussichtsreichsten platziert waren Lisa Bader auf Platz 3 für die SPD, Martha Hartmann auf Platz 4 für die KPD und Margarethe Behrens auf Platz 3 für die DDP.
Die Stadtverordnetenversammlung umfasste ab dieser Wahlperiode 67 Sitze. Davon errang die SPD mit 25 die meisten, gefolgt von 22 Sitzen für die Bürgerliche Einheitsliste. Die KPD erhielt 7 Sitze, die DDP 6, die Liste Deutsch-soziale-Partei 2 Sitze, der völkisch-soziale Freiheitsblock 4 Sitze, der Rentnerbund einen Sitz. Die politischen Machtverhältnisse hatten sich damit entscheidend gewandelt. Die SPD hatte nicht länger die absolute Mehrheit, war aber noch stärkste Kraft, die Bürgerliche Einheitsliste, vor allem aus Deutscher Volkspartei (DVP) und Deutschnationaler Volkspartei (DNVP) gebildet, wurde zweitstärkste Fraktion im Parlament. Mit 7 weiblichen Stadtverordneten lag der Frauenanteil bei 10,4%. Direkt gewählt wurden für die SPD Lisa Bader und Dorothee Kaßner, für die KPD Martha Hartmann, für die Bürgerliche Einheitsliste Elisabeth Rackow, Käthe Bütow und Ella Egold und für die DDP Margarethe Behrens. 1927 rückte für die DDP die Frauenrechtlerin Helene Schneidewin nach.
Stadtverordnetenwahl 1929
Bei der Wahl am 17. November 1929 erhielt die SPD im Vergleich zu 1924 einen Stimmenzuwuchs und gewann die Wahl mit 32 von 67 Sitzen. Die Bürgerliche Einheitsliste wurde mit 18 Sitzen die zweitstärkste Kraft. Die anderen Sitze verteilten sich auf die KPD mit 7, Demokraten mit 5, NSDAP mit 3 und Zentrum und Völkische mit je einem Sitz. Damit waren erstmals Nationalsozialisten im Magdeburger Stadtparlament.
Der Frauenanteil nach Direktwahl lag bei 10,4%, da sieben Frauen direkt gewählt wurden: Lisa Bader, Concordia Hartmann und Luise Bittorf für die SPD, Anna Ebert für die KPD, Elisabeth Rackow und Käthe Bütow für die Bürgerliche Einheitsliste und Ella Egold für die DDP.
Stadtverordnetenwahl 1933
Bei der letzten Kommunalwahl im März 1933 gewann in Magdeburg die NSDAP mit 28 Sitzen und die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot 9 Sitze. Die SPD erhielt 23 und die KPD 6 Sitze. Die rechtsradikalen Parteien waren also in der Überzahl.
Durch direkte Wahl waren formal noch vier Frauen in das Parlament eingezogen (5,9%), Anna Ebert (KPD) und Margarethe Behrens (SPD) nahmen ihr Mandat nicht an. Somit verblieben zwei Frauen im Stadtparlament; Concordia Hartmann für die SPD und Irmgard Knaak für die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot. Concordia Hartmann nahm an den Stadtverordnetensitzungen bis im Juni 1933 teil, bis allen Sozialdemokrat:innen ihre politische Tätigkeit verboten wurde.

Quellen:
- Stadtarchiv Magdeburg: Rep 18/4 Bü 316 Verzeichnis der Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung
- Magdeburger General-Anzeiger
