Helene Schneidewin (1866-1953)

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Helene Johanna Schneidewin (geb. Mehliß) wurde am 9. Oktober 1866 in Berlin geboren. 1887 heiratete sie in Berlin den Kaufmann Karl Ernst Schneidewin, mit dem sie nach Magdeburg zog. Das Paar bekam zwei Kinder. Die Familie gehörte zum gehobenen Bürgertum. Ernst Schneidewin war selbst mehrere Jahre Stadtverordneter in Magdeburg. 

Helene Schneidewin war eine herausragende Persönlichkeit der bürgerlichen Frauenbewegung in Magdeburg. Sie gründete 1901 eine Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins in Magdeburg und den Verein "Jugendschutz", der sich an Mädchen und junge Frauen richtete. Seit 1908 war sie als Gründerin die Vorsitzende des regionalen Dachverbands „Frauenverband für die Provinz Sachsen". In dieser Funktion führte sie auch eine Geschäftsstelle des Bundes Deutscher Frauenvereine in Magdeburg. Sie trieb die Vernetzung der Frauenbewegung in der Region voran und beförderte unter anderem die Gründung des Vereins für Fraueninteressen in Neuhaldensleben und war mit dem Verein für Fraueninteressen in Schönebeck  verbunden. Während des Ersten Krieges war sie im Nationalen Frauendienst (NFD) aktiv. Die Organisation wurde dem städtischen Wohlfahrtsamt angegliedert. Helene Schneidewin war außerdem Mitglied im Vaterländischen Frauenverein und in weiteren Frauen- und Wohlfahrtsvereinen in Magdeburg.

Ab 1918 engagierte sich Helene Schneidewin in der Ortsgruppe der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). 1919 kandidierte sie für die Wahl zur Nationalversammlung, erhielt jedoch kein Mandat. 1922 organisierte sie maßgeblich die Magdeburger Messe für Siedlung, Sozialfürsorge und Arbeit "MIAMA" mit, wofür ihr die Medaille der Stadt Magdeburg verliehen wurde. Bei der Kommunalwahl 1924 kandidierte sie auf Platz 8 für die DDP, zog jedoch zunächst nicht ins Stadtparlament ein. Sie rückte im November 1927 nach. Sie war in zahlreichen Fachbereichen tätig, so war sie unter anderem im Rechtsausschuss, im Ausschuss für alle Angelegenheiten der Luftfahrt, für Rechtsstreitigkeiten und im Beirat für das Gerichtsgefängnis. Helene Schneidewin war nur zwei Jahre lang Stadtverordnete, jedoch über ihr Mandat hinaus auch in anderen kommunalen Gremien vertreten, unter anderem in der Kreishebammenstelle als Vertreterin der Mütter.

In der Zeit des Nationalsozialismus zog sich Helene Schneidewin von ihrem öffentlichen Wirken zurück. Sie starb am 25. Juli 1953 in Magdeburg. 

 

Quellen:
- Stadtarchiv Magdeburg: Rep. 18/4 Bü 70-72 Protokollbücher der Stadtverordnetenversammlung 1927-1929
- Eva Labouvie (Hg.): Frauen in Sachsen-Anhalt 2. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945, Köln 2019, S. 402-403
- Sabine Schaller: Helene Schneidewin (1866-1953). Bürgerliche Sozialreformerin und engagierte Streiterin für Frauenrechte in der mitteldeutschen Metropole Magdeburg zwischen 1900 und 1933, in: Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, Halle 2017, S. 199–230

Letzte Änderung: 24.01.2026 -
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