Marie Bischoff (1877-1972)

Dorothee Marie Henriette Bischoff wurde am 28. Oktober 1877 in Halle geboren. Sie war Lehrerin und stellvertretende Schuldirektorin und wohnte unter der Adresse Großer Berlin 9.
Marie Bischoff kandidierte 1919 zu beiden Kommunalwahlen für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) zuerst auf Platz 35, bei der Wiederholungswahl auf Platz 28. Sie erhielt jedoch kein Mandat. 1920 kandidierte sie außerdem erfolglos für den Reichstag. Für die Wahl am 17. November 1929 kandidierte sie auf Platz 34 für die Liste der Bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft, ein Zusammenschluss bürgerlicher Parteien. Sie selbst trat für die Deutsche Staatspartei, die Nachfolgepartei der DDP an. Zu dem Zeitpunkt war Marie Bischoff außerdem im Vorstand der Frauenhilfe der Ulrichskirche aktiv. Im April 1931 rückte sie ins Stadtparlament nach. Sie wurde in den Rechnungs-Revisionsausschuss, Schulausschuss, Theater-Ausschuss und Wahlausschuss gewählt.
1933 trat sie nicht erneut an. Bei einer Veranstaltung des Stadtverbands Hallischer Frauenvereine, der sich dafür einsetzte, dass Frauen sich trotz des politischen Rechtsrucks weiterhin engagierten, erläuterte sie ihre Tätigkeit im Stadtparlament. Marie Bischoff trat zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein. Sie gehörte damit zu den opportunistischen Politiker:innen im bürgerlich-liberalen Spektrum, die sich schnell der Diktatur andienten. Vermutlich ermöglichte ihr dies, während der Zeit des Nationalsozialismus weiterhin als Konrektorin tätig zu sein. Weiterführende Erkenntnisse über Marie Bischoffs Leben nach 1933 liegen bisher nicht vor. Sie starb 1972 in Halle.

 

Quellen: Stadtarchiv Halle: A 2.44 Nr. 3 Band 15 Sitzungsberichte 1932, Geburtsregister Nr. 2156/1877; Sterberegister Standesamt Halle-Süd Nr. 760/1972; Courage e.V. Halle (Hg.): „Der Staat ist, was seine Frauen sind“. Hallenser Parlamentarierinnen in der Zeit der Weimarer Republik (1918–1933), Halle/Saale 2003, S. 76; „Die Frau vor den Wahlen“, in: Frauenzeitung für die Provinz Sachsen, Beilage der Hallischen Nachrichten, 01.03.1933, S. 1; Dorothea Schmitt: Antibürgerliche Lagerbildung. Das nationale und das sozialistische Lager in Halle 1918-1933 (Dissertation), Halle/Saale 2016, S. 93; US-National Archives A3340-MFKL (NSDAP-Kartei), Nr. B0152, Bl. 2198.

Letzte Änderung: 20.04.2026 -
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