Ida Lehmann (1894-1971)
Ida Lehmann (geb. Busch) wurde am 26. Januar 1894 in Unterröblingen geboren. 1906 siedelte die Familie nach Halle über. Sie erlernte keinen Beruf und war als Arbeiterin in der Landwirtschaft und in Fabriken tätig. 1912 heiratete sie den Arbeiter August Lehmann. Das Paar bekam fünf Kinder. 1919 wurden Ida und August Lehmann Mitglied in der Kommunistischen Partei (KPD). Ida Lehmann leitete Kindergruppen und war in der Genossenschaftsbewegung aktiv.
Am 4. Mai 1924 kandidierte Ida Lehmann für die Stadtverordnetenversammlung in Halle. Sie erhielt kein Mandat, da sie auf Platz 53 sehr weit hinten platziert war. Sie rückte jedoch im Februar 1929 nach. Sie war damit nur wenige Monate Stadtverordnete. Sie war im Wahlausschuss tätig, sowie im Schulausschuss, in der Deputation für das Jugendamt, im Gefängnisbeirat und in der Kreishebammenstelle. Bei der Wahl am 17. November 1929 stand sie auf dem 47. Platz der KPD-Liste und wurde nicht wieder gewählt.
Ida Lehmann war nach ihrem Stadtverordnetenmandat weiterhin für die KPD aktiv. Ab 1927 leitete sie das Frauenreferat der Partei-Bezirksleitung. Sie wurde ab Ende der 1920er Jahre eine vielgefragte Rednerin für die KPD in der Region. 1931 wurde sie wegen Differenzen mit der Bezirksleitung der KPD rund um den Umgang mit der Dachorganisation der genossenschaftlichen Konsumvereine aus der Partei ausgeschlossen. Die Familie zog Anfang der 1930er Jahre in die Diesterwegstraße in der Siedlung "Eigene Scholle". Vermutlich wegen dieses Ortswechsels und da Ida Lehmann seit 1931 kein Parteimitglied mehr war, blieb sie von der nationalsozialistischen Verfolgung relativ unbehelligt. Ihre Wohnung wurde ein Treffpunkt für Weggefährt:innen, sie tauschten Informationen aus und sammelten Hilfen für Angehörige von Inhaftierten. Zu diesem Kreis gehörte auch die ehemalige KPD-Stadtverordnete Martha Schwarzkopf.
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Ida Lehmann wieder der KPD und später der Sozialistischen Deutschen Einheitspartei (SED) bei. Sie war in Frauenausschüssen und im Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD) aktiv. Für ihr politisches und soziales Engagement erhielt sie in den 1960er Jahren Auszeichnungen.
Ida Lehmann starb am 14. Oktober 1971 in Glaucha und wurde in Halle beerdigt.
Quelle:
- Courage e.V. Halle (Hg.): "Der Staat ist, was seine Frauen sind". Hallenser Parlamentarierinnen in der Zeit der Weimarer Republik (1918–1933), Halle/Saale 2003, S. 41-45
