Marie Boltze (o.D.)
Die Lebensdaten von Marie Boltze sind unbekannt; ihr Vater war der Rechnungsrat Ludwig Boltze. Sie blieb unverheiratet und lebte nach dem Tod des Vaters mit ihrer Mutter zusammen in der Wilhelmstraße 36 (heutige Emil-Abderhalden-Straße). Marie Boltze war bei der Stadt Halle als Fürsorgerin angestellt. Als sogenannte "Stadtschwester" war sie für die Betreuung und Unterstützung "sittlich gefährdeter Frauen und Mädchen" zuständig. Daneben war sie in bürgerlichen Frauenvereinen und während des Ersten Weltkriegs im Nationalen Frauendienst in Halle engagiert. Sie war außerdem Vorstandsmitglied des Verbands der Sozialbeamtinnen in Halle.
Marie Boltze war Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und kandidierte zur ersten Stadtverordnetenwahl in Halle am 2. März 1919 auf dem 9. Listenplatz. Zur Wiederholungswahl am 27. April 1919 stand sie als erstplatzierte Frau auf der DNVP-Liste auf Platz 7. Beide Male erhielt sie ein Mandat. Als gewählte Stadtverordnete arbeitete Marie Boltze in zahlreichen Ausschüssen und Deputationen, darunter im Sozialen Ausschuss, Schulausschuss, Haushaltsausschuss, in der Armendirektion, im Hauptausschuss für das Jugendamt, in der Gesundheitskommission und -deputation, im Schulvorstand der Gewerbeschule für Mädchen und in der Kriegshilfskassendeputation. Zur Stadtverordnetenwahl 1924 kandidierte sie erneut, verfehlte aber auf dem 38. Platz der Liste des Vaterländischen Ordnungsblocks den Einzug ins Stadtparlament. Marie Boltze wurde Abteilungsleiterin für das Stadtschwesternamt beim Jugendamt der Stadt Halle, ab 1929 als städtische Beamtin.
Quelle:
- Courage e.V. Halle (Hg.): "Der Staat ist, was seine Frauen sind". Hallenser Parlamentarierinnen in der Zeit der Weimarer Republik (1918–1933), Halle/Saale 2003, S. 10-13
