Weibliche Stadtverordnete in Bernburg

Die alte Residenz- und Garnisonsstadt Bernburg des Herzogtums Anhalt-Bernburg gehörte nach Zusammenschluss mit Köthen-Anhalt und Dessau-Anhalt zum Herzogtum, nach 1918 Freistaat Anhalt mit der Hauptstadt Dessau. Bernburg expandierte ab den 1880er Jahren durch den Salzbergbau.
Im Freistaat Anhalt hießen die Stadtparlamente „Gemeindevertretungen“ und wurden im 3-Jahres-Turnus gewählt. Bernburg war ein eigener Stadtkreis und Verwaltungssitz des Landkreises Bernburg. Die mittelgroße Stadt hatte in den 1920er Jahren etwa 34.600 Einwohner:innen.

Stadtverordnetenwahl 1919

Zur ersten Wahl in Bernburg am 23. Februar 1919 kandidierten auf fünf verschiedenen Listen insgesamt dreizehn Frauen. Die meisten Frauen - vier an der Zahl - kandiderten für die liberale Deutsche Demokratische Partei (DDP). Die sozialdemokratischen Listen Günther (SPD) und Mannigel (USPD, diese ging später in Teilen in der KPD auf) stellten jeweils drei Frauen zur Wahl. Schlussendlich entschied die Platzierung der Frauen darüber, ob sie ein Mandat erhielten. So konnten für die wahlsiegende SPD mit 15 Sitzen zwei Frauen ins Stadtparlament einziehen: Anna Wolff und Anna Heidenreich. Die bürgerliche-konservative Liste Richter erhielt 6 Sitze, darunter die auf dem zweiten Platz kandidierende Frieda Wimmer. Für die DDP, die 5 Sitze erhielt, zog Luise Pfaffe in die Stadtverordnetenversammlung ein. Die USPD-Liste erhielt nur 3 Sitze, die Beamtenliste nur einen, sodass keine der für diese Wahllisten kandidierenden Frauen reüssierte. In der ersten Bernburger Stadtverordnetenversammlung der Weimarer Republik saßen somit vier Frauen. Der Frauenanteil lag bei 13 Prozent, was für die Größe der Stadt Bernburg im Vergleich zu anderen in der Region ein hoher Wert ist.

Stadtverordnetenwahl 1921

Zur Wahl am 4. Dezember 1921 kandidierten insgesamt acht Frauen, davon fünf auf der SPD-Liste. Die schon 1919 gewählten Stadtverordneten Frieda Wimmer und Luise Pfaffe wurden als Kandidatinnen der Vereinigten Bürgerliste, für die sich die bürgerlich-konservativen Parteien mit der DDP zusammengeschlossen hatten, wiedergewählt. Ihre Liste wurde mit 14 Sitzen Wahlsieger, gefolgt von der SPD mit 11 Sitzen, für die die beiden Sozialdemokratinnen Frieda Fiedler und Anna Emmel einzogen. Die Kommunistische Partei (KPD) erhielt 4 Sitze, die Deutsch-Soziale Liste einen Sitz. Somit saßen wieder vier Frauen im Bernburger Stadtparlament.

Stadtverordnetenwahl 1924

Zur Wahl am 16. November 1924 kandidierten erneut acht Frauen auf vier Listen. Für die Sozialdemokratie, die mit 12 Sitzen knapp die meisten gewann, zog erneut Frieda Fiedler ins Stadtparlament ein. Für die bürgerliche Liste "Volksgemeinschaft" kamen Frieda Wimmer und die Lehrerin Charlotte Gille ins Stadtparlament. Die Liste hatte insgesamt 11 Plätze erhalten. Die KPD erhielt nur 2 Sitze, die auf der Wahlliste fünftplatzierte Emilie Henze konnte jedoch im Januar 1927 nachrücken. Der "Block der Mitte" erhielt nur einen Sitz. Erstmalig zog auch die NSDAP ins Bernburger Stadtparlament ein. Sie erhielt zwei Mandate, ebenso die Mittelstandsvereinigung. Beide letztgenannten hatten keine Frauen aufgestellt. Mit drei weiblichen Mandaten (nach Direktwahl) lag ein Frauenanteil von 10 Prozent vor.

Stadtverordnetenwahl 1927

Am 27. November 1927 wurde erneut gewählt. Es kandidierten insgesamt zehn Frauen, wovon vier für die Kommunistische Partei (KPD) antraten. Es war jedoch nur Emilie Henze so gut platziert, dass sie ein Mandat erhielt. Für die SPD kandidierten drei Frauen und für verschiedene bürgerliche Listen jeweils eine. Die SPD konnte erneut die meisten Mandate erringen und erhielt 11 Sitze im Stadtparlament, darunter Frieda Fiedler und Anna Richter. Die KPD erhielt vier Sitze, die Mittelstandsvereinigung fünf, der Wahlverein ging leer aus. Zweitstärkste Kraft war die Wirtschaftliche Gemeinschaftsliste, für die Charlotte Gille erneut ins Stadtparlament einzog.

Stadtverordnetenwahl 1931

Zur Wahl am 25. Oktober 1931 kandidierten bemerkenswert viele Frauen für das Bernburger Stadtparlament. Insgesamt standen 23 Frauen zur Wahl, davon allein 10 auf der kommunistischen Liste und sechs auf der SPD-Liste. Da sich die politischen Verhältnisse zugunsten der radikalen Kräfte änderten und die NSDAP mit 11 Sitzen die Wahl gewann, konnten jedoch kaum Frauen ins Stadtparlament einziehen. Es wurde zwar die bestplatzierte Kommunistin Emma Franke gewählt, da die KPD 4 Plätze erhielt; sie nahm ihr Mandat jedoch nicht an. So verblieben die beiden Sozialdemokratinnen Frieda Fiedler und Anna Richter als einzige Frauen im Stadtparlament. Die SPD hatte 10 Sitze errungen, die restlichen Sitze gingen an die Nationale Liste (2 Sitze) und die Mittelstandsvereinigung (3 Sitze). 

Quelle:
- Stadtarchiv Bernburg: Wahlakten 06-1285; 06-1285; 06-1273
- Volkswacht - Sozialdemokratisches Organ für die Kreise Bernburg, Cöthen, Ballenstedt

Letzte Änderung: 24.01.2026 -
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