Weibliche Stadtverordnete in Neuhaldensleben

Neuhaldensleben, Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises, hatte 1925 10.864 Einwohner:innen und gehörte damit zu den etwas kleineren Kreisstädten in der Preußischen Provinz Sachsen. Erst 1938 wurde die Stadt mit Alt-Haldensleben zum heutigen Haldensleben vereint.

Stadtverordnetenwahl 1919

Bei der ersten Stadtverordnetenwahl siegte die Sozialdemokratische Partei (SPD) mit großem Abstand zu den Mitbewerbern. Es zogen drei Frauen – die Sozialdemokratinnen Wilhelmine Fischer und Helene Domann, sowie die Bürgerliche Dora Herzberg – in das Stadtparlament ein. Mit dem Ausscheiden von Wilhelmine Fischer rückte Anna Krone (SPD) nach. Der Frauenanteil von 10 Prozent ist für eine so kleine Stadt wie Neuhaldensleben als relativ hoch zu bewerten. Er lag damit in etwa genau so hoch wie in den Großstädten Halle und Magdeburg im selben Jahr.

Stadtverordnetenwahl 1924

Bei der zweiten Stadtverordnetenwahl 1924 änderten sich die politischen Verhältnisse: dieses Mal errang die bürgerliche Liste die Mehrheit und für sie wurde Marie Pflanz als einzige Frau gewählt. 1928 rückte die Sozialdemokratin Minna Otto ins Stadtparlament nach. Der Frauenanteil lag bei 5 Prozent, mit Nachrücken von Minna Otto bei 10 Prozent.

Stadtverordnetenwahl 1929

Bei der Stadtverordnetenwahl 1929 ergab sich ein Patt zwischen einer sozialdemokratischen und einer bürgerlichen Fraktion, die genau gleich viele Mandate erhielten. Hinzu kam ein einziger kommunistischer Stadtverordneter. Für die SPD zog Minna Otto, von der bürgerlichen Liste „Ordnung und Sparsamkeit“ wurde Editta Niemeyer gewählt. Der Frauenanteil von ca. 10 Prozent (2 von 21 Stadtverordneten) lag damit erneut überdurchschnittlich hoch und erhöhte sich noch auf ca. 14 Prozent, als 1930 die Lehrerin Elisabeth Grabe für die Sozialdemokratische Partei nachrückte.

Stadtverordnetenwahl 1933

Im März 1933 wurde letztmalig gewählt, bevor das nationalsozialistische Regime alle Kommunalparlamente abschaffte. Zwei Frauen zogen noch für die SPD ins Stadtparlament ein: erneut Minna Otto sowie Frieda Loewe als Nachrückerin. Die KPD-Mandate wurden durch zentrale Verordnungen annulliert, die SPD-Stadtverordneten protestierten gegen die politische Verfolgung mit der Niederlegung aller Mandate im Mai 1933.

Quellen:

- Kreis- und Stadtarchiv Haldensleben: IV 1684 Stadtverordnetenwahl am 23. Februar 1919; IV 1686 Stadtverordnetenwahl am 4. Mai 1924; IV 1207 Stadtverordnetenwahlen 17. November 1929; IV 3234 Stadtverordnetenwahlen am 12.3.1933

Letzte Änderung: 24.01.2026 -
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