Margarethe Behrens (1888-1961)

Margarethe Behrens wurde am 10. Oktober 1888 in Smolice/Schlesien geboren. Sie blieb unverheiratet und kam als Lehrerin nach Magdeburg. Sie wohnte in der Richard-Wagner-Straße 4.
Margarethe Behrens wurde als Lehrerin und Schulrektorin und in der Frauen- und Mädchenbildung und in der Reformpädagogik in Magdeburg aktiv und bekannt. Ihre Ziele waren die Chancengerechtigkeit im Schulsystem und neue pädagogische Ansätze, mit denen Kreativität und Selbständigkeit von Kindern gefördert werden sollten. Unter dem Stadtschulrat Hans Löscher wurde Magdeburg zu einem Zentrum der Reformschulbewegung, die diese neuen Ansätze institutionalisieren wollte. Margarethe Behrens gründete die Reformschule „Wilhelmstädter Versuchsschule“ (1922) mit, 1924 wurde sie die Rektorin der dritten Volks-Mädchenschule. Später unterrichtete sie an der Buckauer Versuchsschule.

Auch als Stadtverordnete trat sie vor allem in Schulangelegenheiten in Erscheinung. Sie kandidierte zur ersten Stadtverordnetenwahl 1919 für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) zunächst erfolglos auf Platz 34, rückte jedoch im Juni 1921 ins Magdeburger Stadtparlament nach. Schon vor ihrem Nachrücken wurde sie als sachverständige Lehrerin in den städtischen Schulausschuss gewählt. Als Stadtverordnete war sie außerdem im Kleinwohnungsausschuss und in weiteren Kommissionen tätig. Am 4. Mai 1924 wurde sie erneut für die DDP gewählt, wobei sie dieses Mal als bestplatzierte Frau auf Listenplatz 3 stand. Sie blieb zunächst bis zum Ablauf dieser Wahlperiode Stadtverordnete und war im Hauptausschuss des Wohlfahrtsamts sowie weiterhin im Schulausschuss tätig. Sie setzte sich unter anderem für weibliche Anwärterinnen im Schuldienst ein, für den Bau neuer Hallenbäder und für die adäquate Ausstattung von Schulen. Auch in den 1930er Jahren - ohne Stadtverordnetenmandat - war sie in kommunalen Gremien tätig, so im Ausschuss des Jugendamtes und im Beirat der Baupolizeibehörde.

Zur Wahl am 12. März 1933, unter dem Eindruck der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar des Jahres, kandidierte Margarethe Behrens für die Sozialdemokratische Partei (SPD) auf Platz 15. Dieser Parteiwechsel ist bemerkenswert, gerade da die Deutsche Staatspartei (als Nachfolgerin der DDP) auch noch eine Liste zur Wahl aufgestellt hatte. Margarethe Behrens gewann offiziell ein Mandat, nahm dies jedoch nicht an. Lediglich Concordia Hartmann, die vor ihr auf Platz 4 der SPD-Liste stand, vertrat trotz der massiven politischen Verfolgung durch die Nationalsozialisten als Frau die Sozialdemokratie im Stadtparlament, solange dies möglich war.

Über Margarethe Behrens Lebensweg während des Nationalsozialismus ist nichts bekannt; es ist davon auszugehen, dass sie aus dem Schuldienst entlassen wurde. Nach 1945 wurde Margarethe Behrens wieder Stadtverordnete in Magdeburg (1946-1950). 1946 wurde sie zur städtischen Schulrätin für das Verwaltungsgebiet Magdeburg I/Schönebeck berufen. 1949 übernahm sie kommissarisch die Leitung des Schulamts. Danach schied sie vermutlich aufgrund politischer Differenzen aus der Verwaltung aus. Bis zum Renteneintritt 1953 arbeitete sie wieder als Lehrerin. Margarethe Behrens starb am 22. Februar 1961 in Magdeburg.

 

Quellen:
- Stadtarchiv Magdeburg: Verzeichnis der Stadtverordneten Rep. 18/4 Bü 316
- Eva Labouvie (Hg.): Frauen in Sachsen-Anhalt 2. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945, Köln 2019, S. 72-74

Letzte Änderung: 15.09.2025 -
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