Weibliche Stadtverordnete in Stendal

Die Stadt Stendal, geprägt von ihrer langen Handelsgeschichte als Hansestadt, zählte im Jahr 1925 29.827 Einwohner:innen. Stendal war zur Zeit der Weimarer Republik ein eigener Stadtkreis, aber auch Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises. Seit 1849 durch eine Eisenbahnstrecke mit Magdeburg und Wittenberge verbunden, war Stendal auch ein wichtiger Standort der Deutschen Reichsbahn und Wohnort von zahlreichen Facharbeitern aus dem Eisenbahnwesen. Als Garnisonstadt war Stendal außerdem vom preußischen Militär geprägt. Politisch spiegelt sich diese Sozialstruktur in dem relativ ausgeglichenen Verhältnis zwischen sozialdemokratischen und bürgerlichen Kräften.

Stadtverordnetenwahl 1919

Bei der ersten Stadtverordnetenwahl am 2. März 1919 in Stendal kandidierten insgesamt sechs Frauen auf drei verschiedenen Listen.  Es siegte die sozialdemokratische Liste mit absoluter Mehrheit, wobei die SPD-Frauen Else Schäfer und Luise Kölsch die ersten weiblichen Stadtverordneten Stendals wurden. Durch die Nachrückerin Hedwig Zimmermann (SPD) stieg der Frauenanteil im Stadtparlament gleich zu Beginn der ersten Wahlperiode auf ca. 8%, was für eine Stadt mit knapp 30 Tausend Einwohner:innen ein durchschnittlich bis höherer Wert ist. Nach politischen Blockaden wurde die Stadtverordnetenversammlung jedoch vorzeit aufgelöst und Neuwahlen anberaumt.

Stadtverordnetenwahl 1921

Schon am 18. September 1921 wurde in Stendal erneut gewählt. Dieses Mal gewann die bürgerliche Liste mit 18 Sitzen. Diese Liste hatte keine Frauen aufgestellt. Die SPD und USPD hatten ihre Listen noch kurz vor der Wahl zusammenschließen lassen und kamen zusammen auf 17 Stadtverordnetenmandate. Die Sozialdemokratinnen Sophie Treumann und Luise Wagner zogen ins Stadtparlament ein. Auch dieses Stadtparlament währte nicht lange und wurde nach seiner Beschlussunfähigkeit am 10. Mai 1922 durch den Regierungs-Präsidenten aufgelöst.

Stadtverordnetenwahl 1922

Bei der Wahl am 28. Mai 1922 konnte die Bürgerliche Liste ihren Vorsprung zur SPD um einen weiteren Sitz ausbauen; sie war fortan mit 19 Sitzen im Stadtparlament vertreten und hatte somit die absolute Mehrheit inne. Die SPD erhielt 16 Sitze, die USDP einen Sitz. Luise Wagner zog erneut für die Sozialdemokratische Partei ins Stadtparlament ein.

Stadtverordnetenwahl 1924

Am 4. Mai 1924 fanden die regulären Kommunalwahlen in der Preußischen Provinz Sachsen statt. In Stendal stellte erneut nur die SPD Frauen zur Wahl auf. Die Bürgerliche Liste gewann die Wahl mit großem Abstand, trotzdem zogen zwei SPD-Frauen ins Stadtparlament ein, die auf den vorderen Listenplätzen gestanden hatten: Luise Wagner und Alwine Henniges.

Stadtverordnetenwahl 1929

Bei der Stadtverordnetenwahl 1929 gewann die SPD mit 16 Sitzen zwar fast die Hälfte aller Mandate, allerdings kamen die drei bürgerlichen Listen insgesamt auf 17 Sitze – die Beamtenliste erhielt 4, die Nationale Einheitsliste 5 und die Bürgerliche Einheitsliste 8 Sitze. Die KPD ging leer aus. Auf Anhieb gelang nur der Sozialdemokratin Anna Bräutigam, die zum ersten Mal kandidiert hatte, der Einzug ins Stadtparlament.
Für die nationalistische Liste, die sich im bürgerlich-konservativen Spektrum abgespalten hatte, kandidierten sogar vier Frauen, darunter auch Auguste Zahn, die im Vorstand des Stendaler Frauenvereins war. Jedoch wurde keine von ihnen direkt gewählt. 1930 rückte jedoch Christa Denck für die Nationale Einheitsliste nach. Ebenso Emma Meier für die SPD.

Stadtverordnetenwahl 1933

Am 12. März 1933 fand in Stendal noch eine letzte Kommunalwahl statt, die schon unter den Vorzeichen der nationalsozialistischen Diktatur stand, die politische Gegner:innen bedrohte und im Laufe des Jahres 1933 sukzessive ausschaltete. Trotzdem traten noch mehrere Frauen zur Wahl an, sowohl für die SPD und KPD wie auch für die rechtsradikale Liste der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot. Anna Bräutigam wurde erneut gewählt und nahm mit ihren sozialdemokratischen Fraktionskollegen an den ersten Sitzungen des Stadtparlaments teil. Anfang Mai erklärte die SPD-Fraktion aus Protest gegen die politischen Repressionen, gesammelt nicht mehr an den Stadtverordnetensitzungen teilzunehmen.

Quellen:

- Stadtarchiv Stendal: K I 3 51 Stadtverordnetenwahlen 1919-1923; K I 3 58 Stadtverordnetenwahlen 1924-1935

Letzte Änderung: 24.01.2026 -
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