Weibliche Stadtverordnete in Eisleben
Eisleben (erst seit 1946 "Lutherstadt Eisleben") war ein Stadtkreis im Regierungsbezirk Merseburg der Preußischen Provinz Sachsen und gleichzeitiger Verwaltungssitz des Landkreises Eisleben. Im Jahr 1925 hatte Eisleben 23.758 Einwohner:innen. Die Stadt war vom Bergbau in der Region geprägt und von einer starken Arbeiterschaft, die in der Weimarer Republik kommunistisch und sozialistisch orientiert war. Das Bergbaugebiet Mansfeld-Eisleben war 1921 ein Ort der Märzkämpfe in Mitteldeutschland, eines revolutionären Aufstands und Generalstreiks, der von Teilen der Kommunistischen Partei (KPD) initiiert worden war. Die Reichsregierung reagierte mit der Verhängung des Ausnahmezustandes und der militärischen Niederschlagung. Die Stärke der KPD in Eisleben zeigt sich auch darin, dass alle drei Frauen, die zwischen 1919 und 1933 im Stadtparlament saßen, Kommunistinnen waren.
Stadtverordnetenwahl 1919
Für die erste Stadtverordnetenwahl in Eisleben während der Weimarer Republik am 2. März 1919 sind nicht alle Kandidierende bekannt. Die Liste "Vereinigtes Bürgertum" gewann mit 17 Sitzen die Wahl, sah sich jedoch 16 Stadtverordneten der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) gegenüber und 3 Sozialdemokraten (SPD). Unter den gewählten Stadtverordneten waren keine Frauen.
Stadtverordnetenwahl 1924
Für die Wahl am 4. Mai 1924 kandidierten auf drei Listen insgesamt acht Frauen. Während die Sozialdemokratische Partei (SDP) und der Nationale Bürgerring keine Frauen aufstellten, kandidierten für die KPD sechs Frauen. Die am besten platzierte Martha Hunstock (Listenplatz 4) errang als einzige Frau ein Mandat. Die Frauen, die für die Unpolitische Liste und die Arbeitsgemeinschaft der Mitte kandidiert hatten, standen auf hinteren Plätzen und wurden nicht gewählt.
Aufgrund einer aktualisierten Städteverordnung war die Stadtverordnetenversammlung auf 25 Mitglieder reduziert. Die Wahl gewann der Nationale Bürgerring mit 13 Sitzen. Die bürgerliche Fraktion wurde ergänzt um vier Mandate der "Arbeitsgemeinschaft der Mitte". Die Arbeiterparteien erhielten viel weniger Zuspruch als noch 1919: die KPD erhielt sechs, die SPD zwei Mandate. Der Frauenanteil lag durch eine gewählte Frau bei ca. 4 %.
Stadtverordnetenwahl 1929
Zur Stadtverordnetenwahl am 17. November 1929 kandidierten insgesamt zehn Frauen auf vier verschiedenen Listen. Die meisten waren jedoch zu schlecht platziert, um ins Stadtparlament einzuziehen. Einzig die Kommunistin Marie Ahlers (Listenplatz 4) erhielt ein Stadtverordnetenmandat. Erneut gewannen die bürgerlichen Kräfte die Wahl, dieses Mal unter dem Namen "Ordnungsblock" mit elf Sitzen und der "Arbeitsgemeinschaft der Mitte" mit drei Sitzen. Die SPD erhielt sieben Mandate, die KPD vier.
Stadtverordnetenwahl 1933
Die Verfolgung von Kommunalpolitiker:innen setzte Anfang 1933 direkt ein - in Eisleben griffen Nationalsozialisten ihre politischen Gegner:innen brutal an; am sogenannten Eisleber Blutsonntag am 12. Februar 1933 töteten SA- und SS-Männer drei Kommunisten und verletzten zahlreiche weitere schwer. Dennoch kandidierten zur Stadtverordnetenwahl am 12. März 1933 noch mehrere Frauen für die Arbeiterparteien; für die SPD drei, für die KPD vier. Außerdem kandidierte für die rechtsradikale Kampffront Schwarz-Weiß-Rot eine Frau. Die NSDAP erhielt mit 15 Sitzen die Mehrheit, die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot sieben Sitze. Die Arbeitsgemeinschaft der Mitte erhielt einen Sitz, SPD und KPD jeweils vier. Damit erreichten die Rechtsextremisten aus dem Stand die Mehrheit im Eislebener Stadtparlament. Mit Emilie Keith zog für die KPD offiziell eine Frau ins Parlament ein – die kommunistischen Mandate wurden jedoch noch direkt im März 1933 annulliert.

Quellen: Stadtarchiv Eisleben: D IV 28 Stadtverordnetenwahlen 1924; D IV 30 Stadtverordnetenwahl am 17.11.1929; Eisleber Tageblatt: 26.02.1919, S. 3; 03.03.1919, S. 1; 06.05.1925, S. 2; 13.03.1933, S. 7.
