Weibliche Stadtverordnete in Schönebeck

Schönebeck wurde durch die Nähe zur Provinzhauptstadt Magdeburg geprägt und entwickelte eine ähnliche Industriestruktur. Dementsprechend verfügte die Stadt zur Zeit der Weimarer Republik über eine gut ausgebildete Arbeiterschicht und eine starke Sozialdemokratie. Schönebeck war mit 21.403 Einwohner:innen im Jahr 1925 die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt im Kreis Calbe.

Stadtverordnetenwahl 1919

Zur ersten Stadtverordnetenwahl in Schönebeck am 23. Februar 1919 kandidierten insgesamt fünf Frauen. Die bürgerliche Liste "Jährling" stellte die meisten Frauen auf. Diese waren allerdings so weit hinten platziert, dass sie keine Chance auf ein Mandat hatten. Auf dem 20. Platz dieser Liste stand die Vorsitzende des Schönebecker Vereins für Fraueninteressen, Antonie zur Linde, und auf Platz 25 Elsa Wulfert, die Vorsitzende des Hausfrauenvereins Schönebeck. Beide erhielten kein Mandat.
Die SPD gewann die Wahl mit großem Abstand. Für sie zog als einzige Frau die Sozialdemokratin Hedwig Hüther ins Stadtparlament ein. Dadurch lag der Frauenanteil im Stadtparlament Schönebeck bei niedrigen 3,3 Prozent.

Stadtverordnetenwahl 1924

Zur zweiten Stadtverordnetenwahl am 4. Mai 1924 kandidierten nur noch drei Frauen. Bei dieser Wahl errang die bürgerliche „Einheitsliste“ die Mehrheit, die SPD wurde zweitstärkste Kraft. Als einzige Frau zog die Sozialdemokratin Alwine Tabert ins Stadtparlament ein.

Stadtverordnetenwahl 1929

Zur Stadtverordnetenwahl am 17. November 1929 kandidierten vier Frauen. Für die Bürgerliche Einheitsliste kandidierte Elisabeth Manzek, die dem Hausfrauenverein Schönebeck angehörte. Sie erhielt jedoch kein Mandat. Bei dieser Wahl konnte die SPD mit 17 Sitzen die absolute Mehrheit gewinnen. Die Bürgerliche Einheitsliste errang nur noch acht Mandate. Die „Unpolitische Liste der Haus- und Grundbesitzer“ erhielt einen Sitz, ebenso die NSDAP, die erstmalig im Schönebecker Stadtparlament vertreten war. Alwine Tabert zog erneut für die SPD und als einzige Frau ins Stadtparlament ein.

Stadtverordnetenwahl 1932

Aufgrund einer Gebietsreform und des Zusammenschlusses von Schönebeck mit Bad Salzelmen und Frohse zur Großgemeinde Schönebeck wurde die Stadtverordnetenversammlung am 5. Juni 1932 neu gewählt. Sie bestand fortan aus 36 Stadtverordneten. Durch die vorgezogene Wahl konnten sich in der Schönebecker Kommunalpolitik die rechtsradikalen Kräfte schon 1932 durchsetzen: Die NSDAP, die zwei Jahre zuvor erst einen Sitz im Stadtparlament gewonnen hatte, erhielt mit 14 Sitzen die meisten Stadtverordnetenmandate. Die DNVP erhielt drei Sitze, die Liste „Volksgemeinschaft‚Nationale Mitte‘“ einen Sitz. Aufseiten der Arbeiterparteien erhielt die SPD zwölf Sitze und die KPD sechs. Als einzige Frau zog die Kommunistin Emma Milius ins Stadtparlament ein. Der Frauenanteil betrug niedrige 2,7 Prozent.

Stadtverordnetenwahl 1933

Die Kommunalwahl am 12. März 1933 fand auch in Schönebeck unter dem Eindruck massiver Auseinandersetzungen und Gewalt gegen politische Gegner:innen des Nationalsozialismus statt. Die Kandidierenden und das vollständige Wahlergebnis sind aufgrund von Überlieferungslücken nicht bekannt. Alle politisch missliebigen Kommunalpolitiker:innen wurden binnen kürzester Zeit aus dem Stadtparlament gedrängt.

 

Quellen:

- Stadt Schönebeck (Hg.): 800 Jahre Schönebeck (Elbe) 1223-2023. Eine Stadt im Wandel der Zeit, Meßkirch 2023
- Kreissparkasse Schönebeck (Hg.): Spurensuche. Von der Völkerwanderung zum heutigen Landkreis Schönebeck, Schönebeck/Calbe 1999
- Stadtarchiv Schönebeck: NZB 412 Stadtverordnetenwahlen 1915-1924; NZB 1341 Stadtverordnetenwahl 4. Mai 1924; NZB 962 Stadtverordnetenwahl am 17. November 1929; NZB 1543 Stadtverordnetenwahl 5. Juni 1932

Letzte Änderung: 24.01.2026 -
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