Kampf für das Frauenwahlrecht
1893 führte Neuseeland als erster neuzeitlicher Staat das Frauenwahlrecht ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich im Deutschen Kaiserreich und auch in der Region des heutigen Sachsen-Anhalts schon die – international vernetzte – Frauenbewegung herausgebildet, in der eine Teilbewegung auch die Einführung des politischen Frauenwahlrechts verfolgte. Sowohl sogenannte "radikale" Frauenrechtlerinnen als auch "gemäßigte" verfolgten politische Mitbestimmungsrechte für Frauen. Der große Dachverband der bürgerlichen Frauenbewegung - der Bund Deutscher Frauenvereine - nahm im Jahr 1902 den Kampf für das Frauenwahlrecht in sein Programm auf. Der Bund Deutscher Frauenvereine argumentierte auch für das sogenannte "Gemeindewahlrecht", um Frauen zuerst auf kommunaler Ebene in politische Mitbestimmungsstrukturen einzugliedern. Die Forderung eines Frauenwahlrechts ging dabei quer durch das gesamte Spektrum der Frauenbewegung, von den bürgerlichen Vereinen bis zu Frauen in der Arbeiterbewegung, wenngleich über Detailfragen gestritten wurde. Auf Betreiben der sozialistischen Frauenrechtlerin Clara Zetkin hatte die Sozialdemokratische Partei (SPD) schon 1891 die Forderung nach dem Frauenwahlrecht in ihr Programm aufgenommen.
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 erlahmten die Bemühungen um die Einführung des Frauenwahlrechts. 1917/18 schlossen sich wieder mehrere Gruppen zusammen, um im Demokratisierungs- und Revolutionsprozess zum erfolgreichen Ziel zu kommen. Der Rat der Volksbeauftragten proklamierte am 12. November 1918 das neue demokratische Wahlrecht. Hierdurch wurde das preußische Dreiklassenwahlrecht abgeschafft und das aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt. Mit der Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle Bürger*innen ab 20 Jahren erreichte die Frauenwahlrechtsbewegung ihr Ziel. Nun hatten Frauen die Möglichkeit zu wählen, konnten sich aber auch selbst zur Wahl stellen.
Weitere Informationen:
- Kerstin Wolff (2024): Geschichte des Frauenwahlrechts in Deutschland, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv
