Martha Boehm (1871-1950)
Martha Boehm (geb. Gubba) wurde am 3. März 1871 in Memel (Ostpreußen/heute Polen) als Tochter eines Gutsbesitzers und Kaufmanns geboren. Sie war verheiratet mit dem „Königlichen Landrat außer Dienst, Geheimer Regierungsrat Friedrich Boehm“, der 1906 verstarb. Sie wohnte in der Hornstraße 10.
Martha Boehm war (nachweisbar in den 1920er Jahren) die Vorsitzende der Wernigeröder Evangelischen Frauenhilfe und die zweite Vorsitzende des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes vor Ort. Sie nahm damit wichtige Positionen im bürgerlichen Vereinswesen der Stadt ein.
Martha Boehm kandidierte erstmalig am 17. November 1929 für das Stadtparlament in Wernigerode. Sie stand auf dem dritten Platz der rechtskonservativen Liste "Stadtwohl" und wurde als einzige Frau in dieser Wahlperiode zur Stadtverordneten gewählt. Sie war in der Gesundheitsdeputation und in der Wohlfahrtsdeputation tätig. Über ihr weiteres Wirken als Stadtverordnete ist aufgrund fehlender Überlieferung nichts weiter bekannt.
Am 12. März 1933 wurde sie erneut als einzige Frau ins Stadtparlament gewählt. Sie hatte dafür auf der rechtsradikalen Liste Kampffront Schwarz-Weiß-Rot kandidiert, die mit der NSDAP zusammenarbeitete. Sie wurde in die Wohlfahrtsdeputation gewählt. Martha Boehm füllte ihr Stadtverordnetenmandat bis zum Oktober 1933 aus, als sie ihr Mandat niederlegte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Nationalsozialisten die demokratischen Strukturen bereits abgeschafft und verfolgten politische Gegner:innen.
Über das weitere Leben von Martha Boehm ist nichts bekannt. Sie starb am 10. Februar 1950 in Wernigerode.
Quellen:
- Stadtarchiv Wernigerode: WR II / 9740 Wahl verschiedener Kommissionen (24. Jan 1922–1930), Bl. 84; Sterbeurkunde Standesamt Wernigerode Nr. 64/1950; WR II / 11028 Christliche Anstalten und Vereine (1925-1927); WR II / 9740 Wahl verschiedener Kommissionen (24. Jan 1922 – 1930), Bl. 150-151
