Weibliche Stadtverordnete in Köthen

Stadtverordnetenwahl 1919

Zur ersten Stadtverordnetenwahl in Köthen am 23. Februar 1919 stellten sich nur zwei Listen zur Wahl: eine sozialdemokratische Liste und eine der nationalliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Es kandidierten insgesamt sechs Frauen, zwei für die SPD, vier für die bürgerlich-demokratische Liste. Die vier DDP-Kandidatinnen standen jedoch eher auf mittleren und hinteren Listenplätzen, sodass nur die bestplatzierte "Stadtratswitwe" Frieda Pietschker ein Mandat erhielt. Von den Sozialdemokratinnen erhielt die bestplatzierte "Hausfrau" Pauline Stange ein Mandat. Im Ergebnis verteilten sich die 24 Stadtverordnetensitze zu gleichen Teilen auf die SPD und die DDP mit jeweils 12 Mandaten. Der Frauenanteil lag bei 8,3 Prozent. Im Oktober 1920 rückte für die SPD Emilie Bürkner nach. 

Stadtverordnetenwahl 1921

Bei der Kommunalwahl am 4. Dezember 1921 stellten sich fünf Listen zur Wahl. Es kandidierten nur drei Frauen: für die SPD die Stadtverordneten Emilie Bürkner, für die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USDP) Marie Resehorn (Pl. 5), für die Hochschulliste "Frau Professor" Ida Dupré (Pl. 4). Für die Kommunistische Partei (KPD) und den Bürger- und Wahlverein kandidierten keine Frauen.  Die SPD wurde die Wahlsiegerin mit 11 Sitzen, der Bürger- und Wahlverein erhielt 10 Sitze, die Hochschulliste erhielt drei. Somit zog mit der Sozialdemokratin Emilie Bürkner nur eine Frau ins Köthener Stadtparlament ein.

Stadtverordnetenwahl 1924

Am 16. November 1924 fand die nächste Wahl in Köthen statt. Durch Eingemeindungen vergrößerte sich das Stadtparlament auf 30 Sitze. Es kandidierten vier Frauen. Für die Liste Volksgemeinschaft kandidierten auf Platz 14 Anna Berenbruch und auf Platz 24 Minna Pfeil. Für die SPD kandidierte erneut Emilie Bürkner, für den "Liberalen Bürgerblock" die "Lehrerswitwe" Luise Hause. Die SPD erhielt 13 Sitze, die Volksgemeinschaft ebenfalls 13 Sitze, der Liberale Bürgerblock 3 Sitze und die "National-soziale Freiheitsbewegung" einen Sitz. Direkt zog die Sozialdemokratin Emilie Bürkner wieder ins Stadtparlament ein, 1925 rückte die Bürgerliche Anna Berenbruch nach.

Stadtverordnetenwahl 1927

Zur Stadtverordnetenwahl am 27. November 1927 kandidierten insgesamt sieben Frauen, davon drei für die "Städtische Einheitsliste", zwei für die SPD und jeweils eine für die KPD und die Liste "Block der nationalen Mitte". Es zogen im Ergebnis die bereits 1924 gewählten Stadtverordneten Emilie Bürkner (SPD) und Anna Berenbruch (Städtische Einheitsliste) erneut ins Stadtparlament ein. Später rückte Margarete Bernecker (Städtische Einheitsliste) nach. Die SPD erhielt erneut 13 Sitze, die Städtische Einheitsliste 12, der Block der nationalen Mitte erhielt drei Sitze, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war zum ersten Mal mit zwei Sitzen im Köthener Stadtparlament vertreten. Die Kommunistische Partei erhielt erneut keinen Sitz. 

Stadtverordnetenwahl 1931

Zur Stadtverordnetenwahl am 25. Oktober 1931 kandidierten insgesamt elf Frauen. Die meisten Frauen waren durch die Kommunistische Partei (KPD) mobilisiert; für diese kandidierten fünf Frauen, die Bestplatzierte war die Arbeiterin Ida Franke auf Platz 3. Für die SPD kandidierten zwei Frauen, für die Liste "Nationale Mitte" eine Frau, für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) drei Frauen, darunter die Stadtverordnete Margarete Bernecker auf Platz 3. Die NSDAP und die Bürgerliche Einheitsliste stellten keine Frauen auf. Das Ergebnis der Stadtverordnetenwahl bildet den politischen Rechtsruck zu Beginn der 1930er Jahre auch auf kommunaler Ebene ab: Es siegte die NSDAP und erhielt 12 Sitze im Stadtparlament. Die SPD blieb weiterhin stark mit 11 Sitzen, die KPD war erstmalig im Stadtparlament vertreten, jedoch nur mit zwei Sitzen. Auch die Bürgerliche Einheitsliste und die Deutsche Staatspartei (ehemals DDP) erhielten jeweils zwei Sitze und die DNVP einen Sitz. Somit zog nur eine Frau ins Stadtparlament ein, erneut die erfahrene sozialdemokratische Stadtverordnete Emilie Bürkner. Der Frauenanteil lag damit bei niedrigen 3,3 Prozent.

Quellen:
- Cöthensche Zeitung
- Stadtarchiv Köthen: 0/2640/H51 Nebenakten C. Allgemeine Verwaltung; 0/171/C3 Stadtverordneten-Wahlen am 23. Februar 1919

Letzte Änderung: 24.01.2026 -
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