Weibliche Stadtverordnete in Naumburg

Naumburg ist geprägt von seiner historischen Bedeutung als ehemalige Domstadt und Bischofssitz, was auch das kulturelle Selbstverständnis der Bürger:innen prägte. Wirtschaftlich war Naumburg ein regionales Zentrum für Handwerk, Handel und Verwaltung, mit einigen industriellen Ansätzen, etwa in der Metallverarbeitung und der Lebensmittelproduktion. Die Stadt war jedoch kein bedeutender Industriestandort, was sich auch in der sozialen Struktur widerspiegelte: Das Bürgertum war stark, die Arbeiterschaft vergleichsweise klein. Die konservativ-bürgerlichen Kräfte dominierten das politische Geschehen. Im Jahr 1925 hatte Naumburg 29.262 Einwohner:innen und gehört damit zu den mittelgroßen Städten in diesem Forschungsprojekt. Naumburg war ein eigener Stadtkreis und gleichzeitiger Verwaltungssitz des es umgebenden Landkreises im Regierungsbezirk Merseburg der Preußischen Provinz Sachsen.

Stadtverordentenwahl 1919

Bei der Wahl zur Naumburger Stadtverordnetenversammlung am 2. März 1919 traten insgesamt zehn Frauen auf vier verschiedenen Listen an. Die meisten von ihnen – fünf Frauen – kandidierten auf der Liste des Bürger-Ausschusses, der sich aktiv für die politische Teilhabe von Frauen auf kommunaler Ebene einsetzte. Im Gegensatz dazu stellte die bürgerliche Liste "Bürgerliche Ständevereinigung" zwar ebenfalls eine Frau auf – die Hilfsarbeiterin Wally Koepke –, positionierte sie jedoch auf dem chancenlosen 20. Listenplatz und sprach sich grundsätzlich gegen eine stärkere Beteiligung von Frauen in der Kommunalpolitik aus. 
Auch die Arbeiterparteien stellten jeweils zwei Frauen auf. Dabei gelang es jeweils der bestplatzierten Kandidatin, ein Mandat zu erringen: Für die Sozialdemokratische Partei (SPD) wurde die technische Lehrerin Gertrud Kirsch gewählt, für die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD) die Hausfrau Marie Wolf. Für den Bürger-Ausschuss kandidierten die beiden bestplatzierten Antonie Ahringsmann (Platz 7) sowie die Lehrerin Sophie Seiffert (Platz 16) erfolgreich und zogen ins Stadtparlament ein.
Das Wahlergebnis verteilte sich wie folgt: Die bürgerlichen Listen wurden gesammelt gewählt und erhielten 23 der insgesamt 35 Sitze, die SPD kam auf 8 Mandate, die USPD auf 4. Insgesamt wurden vier Frauen direkt in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, was einem Frauenanteil von rund 11,4 % entsprach – ein hoher Wert für eine mittelgroße Stadt wie Naumburg.

Stadtverordnetenwahl 1924

Bei der Wahl zur Naumburger Stadtverordnetenversammlung am 4. Mai 1924 traten insgesamt sieben Frauen auf vier verschiedenen Listen an. Die SPD stellte vier Kandidatinnen auf, die KPD eine, ebenso wie die Unpolitische Liste. Zwei Frauen kandidierten für die Vaterländische Arbeitsgemeinschaft, darunter auch die Stadtverordnete Antonie Ahringsmann. Sie stand jedoch nur auf Platz 13 der Liste und war damit zu schlecht platziert, um erneut ein Mandat zu erringen. Insgesamt blieben alle sieben Frauen bei der Wahl erfolglos. Nach dem Urnengang war daher keine Frau mehr im Naumburger Stadtparlament vertreten. Ob eine der Kandidatinnen später im Zuge von Nachrückverfahren ein Mandat erhielt – etwa Elsa Oestmann von der KPD, die auf Platz 5 ihrer Liste gestanden hatte – konnte nicht ermittelt werden.
Das Wahlergebnis selbst verteilte die insgesamt 30 Sitze wie folgt: Die Unpolitische Liste erhielt 7 Sitze, der Bürgerliche Wirtschaftsblock sowie die Vaterländische Arbeitsgemeinschaft jeweils 6, der Völkisch-soziale Block 4. Die SPD konnte 4 Mandate erringen, während die KPD 3 Sitze erhielt. Damit entfielen 23 der 30 Sitze auf bürgerliche Listen, lediglich 7 Mandate gingen an die Arbeiterparteien SPD und KPD.

Stadtverordnetenwahl 1929

Bei der Wahl zur Naumburger Stadtverordnetenversammlung am 17. November 1929 wurden auf fünf Wahllisten insgesamt neun Frauen als Kandidatinnen aufgestellt. Die DNVP nominierte zwei Frauen, die KPD eine, die Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft vier. Jeweils eine Frau kandidierte für die Mieterliste sowie für die Bürgerliche Mitte. Andere Listen wie die SPD, die Wirtschaftspartei, die NSDAP, der Bürgerbund, die Liste Heimat sowie die Liste Für Haus- und Grundbesitz verzichteten hingegen vollständig auf weibliche Kandidaten.
Nach der Wahl verteilten sich die nun auf 30 Sitze reduzierte Stadtverordnetenversammlung folgendermaßen: 23 Mandate gingen an bürgerliche Listen, 7 Sitze an die Arbeiterparteien. Dabei erhielt die SPD fünf Mandate und die KPD drei. Innerhalb der bürgerlichen Gruppen schnitt die Unpolitische Liste mit sieben Sitzen am stärksten ab, gefolgt vom Bürgerlichen Wirtschaftsblock und der Vaterländischen Arbeitsgemeinschaft mit jeweils sechs Sitzen. Der Völkisch-soziale Block kam auf vier Mandate. Ob eine der kandidierenden Frauen später in das Stadtparlament nachrückte, konnte nicht ermittelt werden.

Stadtverordnetenwahl 1933

Die Stadtverordnetenwahl in Naumburg am 12. März 1933 kann derzeit aufgrund der lückenhaften Überlieferungslage nicht analysiert werden.

Quelle:
- Naumburger Tageblatt

Letzte Änderung: 24.01.2026 -
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