Clara Schwab (1896-1947)
Clara Schwab (geb. Glatz) wurde am 28. Dezember 1896 in Osterwieck (Harz) geboren. Sie stammte aus einer SPD-Familie, der Vater hat sich der Überlieferung nach an Streikaktivitäten beteiligt und sie politisch beeinflusst. Clara Schwab machte eine kaufmännische Lehre und arbeitete als Dienstmädchen. Durch ihren Bruder, der in der Kommunistischen Partei (KPD) aktiv war, lernte sie ihren späteren Ehemann, den Metallarbeiter Oskar Schwab kennen. 1922 heiratete sie und bekam zwei Söhne, die 1924 und 1926 geboren wurden. Die Familie wohnte in der Schulstraße 45.
Clara Schwab arbeitete als Stepperin in der Fabrik Tack u. Cie. Dort war sie gewerkschaftlich aktiv. Besonders soll sie sich für die Arbeitsbedingungen ihrer weiblichen Kolleginnen eingesetzt haben. Gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Ehemann engagierte sie sich in der KPD.
Clara Schwab kandidierte erstmalig 1929 für die Burger Stadtverordnetenversammlung. Sie stand auf dem dritten Platz der kommunistischen Liste und erhielt ein Stadtverordnetenmandat. Ihr Ehemann Oskar Schwab hatte schon bei der Wahl am 4. Mai 1924 kandidiert und war im September 1927 nachgerückt. Somit war er bis zur Wahl, bei der seine Frau kandidierte, selbst Stadtverordneter. Über ihre Tätigkeiten im Stadtparlament ist aus Überlieferungsgründen kaum etwas bekannt.
Zur Wahl am 12. März 1933 kandidierte Clara Schwab erneut auf Platz drei. Offiziell erhielt sie ein Mandat, allerdings wurden die kommunistischen Politiker:innen sofort massiv verfolgt. Clara Schwab wurde am 22. März verhaftet und ins Frauengefängnis Barnimstraße in Berlin gebracht. Aus der sogenannten "Schutzhaft" heraus legte sie in einem auf den 23. März datierten Schreiben ihr Stadtverordnetenmandat nieder. Im Juni 1933 wurde sie aus der Haft entlassen.
Späteren Überlieferungen zufolge wurde sie 1944 bei der sogenannten Aktion Gewitter erneut verhaftet und für mehrere Wochen festgehalten. Nach Kriegsende engagierte sie sich wieder politisch, war Stadtverordnete in Burg und gründete den ersten Nachkriegskindergarten. Ab 1946 war sie Mitglied des Landtags Sachsen-Anhalt und leitete die Abteilung Sozialwesen im Burger Arbeitsamt. Nach Erkrankung starb sie am 23. Juli 1947, was in ihrer Heimatstadt Burg mit großer öffentlicher Anteilnahme aufgenommen wurde.
Quellen:
- Kreisarchiv Jerichower Land: Sonderordner Clara Schwab; „Aus dem Leben von Clara Schwab“ (Geschichtsprojekt einer 9. Klasse, 1968); B66 Nr. 41a Stadtverordnetenwahl 1933
- Landesarchiv Sachsen-Anhalt: K6-2, Nr. 5032 (Opfer des Faschismus)
- Landesarchiv Berlin: A Rep. 365 Nr. 61 (Frauengefängnis Barnimstraße)
- Eva Labouvie (Hg.): Frauen in Sachsen-Anhalt 2. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945, Köln 2019, S. 482
