Weibliche Stadtverordnete in Burg
Burg bei Magdeburg war die Kreisstadt des Kreises Jerichow I, ehe sie 1924 zur kreisfreien Stadt wurde. Burg war von der Textilindustrie geprägt und hatte eine dementsprechend starke Arbeiterschaft. 1925 wurden 24.320 Einwohner:innen gezählt.
Stadtverordnetenwahl 1919
Zur ersten Kommunalwahl am 2. März 1919 kandidierten in Burg insgesamt fünf Frauen. Es war jedoch nur eine so aussichtsreich platziert (Ida Wienbeck auf dem Listenplatz 8 für die Sozialdemokratische Partei), dass sie ins Stadtparlament einzog. Die SPD gewann mit absoluter Mehrheit; sie erhielt 20 der insgesamt 36 Sitze. Die USPD erhielt 3, die bürgerliche Liste Müller 4 Sitze und die bürgerliche Liste Schulze 9 Sitze.
Stadtverordnetenwahl 1924
Am 4. Mai 1924 kandidierten erneut fünf Frauen, dieses Mal nur auf den Listen der Arbeiterparteien (Vereinigte SPD und Kommunistischen Partei, KPD). Der Bürgerblock und der Völkisch-soziale Freiheitsblock hatten keine Frauen aufgestellt. Die SPD verlor bei dieser Wahl die Mehrheit an den Bürgerblock, der 13 der insgesamt 30 Parlamentssitze errang. Die SPD folgte mit 12 Mandaten, die KPD erhielt vier, der Freiheitsblock einen Sitz. Wiederum zog nur eine Frau in das Stadtparlament ein: Anna Süss, die auf dem 6. Platz der SPD-Liste gestanden hatte. Der Frauenanteil lag somit bei niedrigen 3,3 Prozent. Im Dezember 1925 rückte Agnes Schulze für die SPD nach, sodass erstmalig zwei Frauen im Burger Stadtparlament saßen.
Stadtverordnetenwahl 1929
Bei der Stadtverordnetenwahl im November 1929 kandidierten mindestens sechs Frauen. Davon hatten vier für die KPD kandidiert, wobei nur eine - die auf dem dritten Platz stehende Clara Schwab - in das Stadtparlament einzog. Auch die SPD erhielt für Auguste Trusch, die auf dem 12. Listenplatz gestanden hatte, ein weibliches Stadtverordnetenmandat. Die SPD wurde Wahlsieger, aber verpasste die absolute Mehrheit mit 14 von 30 Sitzen knapp. Die Bürgerlichen erhielten 11, die Liste „Einigkeit“ lediglich einen Platz, die KPD vier. Mit den zwei gewählten Frauen lag der Frauenanteil in dieser Wahlperiode bei 6,6 Prozent.
Stadtverordnetenwahl 1933
Bei der Stadtverordnetenwahl am 12. März 1933, die unter dem Einfluss der nationalsozialistischen "Machtergreifung" stand, erhielt die NSDAP 11 Sitze, die SPD 12, die KPD 3 Sitze und die Bürgerliche Einheitsliste 4 Sitze. Gewählt waren zwei Frauen: Agnes Schulze, die schon 1924 bis 1929 für die SPD im Stadtparlament gewesen war und die Kommunistin Clara Schwab. Clara Schwab nahm die Wahl trotz der massiven politischen Verfolgung noch an, ehe sie am 22. März 1933 verhaftet und in ein Gefängnis in Berlin verbracht wurde. Agnes Schulze nahm gemeinsam mit ihren SPD-Genossen noch an der ersten Stadtverordnetenversammlung teil, ehe auch ihrer Partei die politische Arbeit verwehrt wurde.

Quellen:
- Tageblatt für die Jerichowschen und benachbarten Kreise – Burgsche Zeitung
- Kreisarchiv Jerichower Land: B66 b Nr. 18 Stadtverordnetenwahl 1919; B66 b Nr. 19 Stadtverordnetenwahl 1924; B66 Nr. 41a Stadtverordnetenwahl 1933
