Mia Bittel (1890-1968)

Hermine (Mia) Mathilde Helene Bittel (geb. Weißenborn) wurde am 20. Mai 1890 in Magdeburg geboren. Mia Bittel arbeitete als Büroangestellte und war als Hörerin an der Tübinger Universität zugelassen. 1914 heiratete sie in Mosbach (Baden) den aus Darmstadt stammenden Rechts- und Geschichtswissenschaftler Karl Bittel, mit dem sie zusammen in der Jugend- und Wandervogel-Bewegung aktiv gewesen war. Das Ehepaar bekam drei Kinder und zog in den 1920er Jahren in die Region Mitteldeutschlands; Karl Bittel arbeitete publizistisch und wissenschaftlich und war kurzzeitig in Jena und Chemnitz tätig. Mia und Karl Bittel engagierten sich zusammen in der Kommunistischen Partei (KPD), sie mitgründeten den Jung-Spartakusbund und veranstalteten Vorträge zur weltanschaulichen Schulung. Karl Bittel übernahm parteiintern weitere Posten, zum Beispiel in der Parteischule der KPD.
Beide kandidierten zur Stadtverordnetenwahl am 4. Mai 1924 in Weißenfels. Zu diesem Zeitpunkt wohnten sie unter der Adresse Hohlweg 22. Karl Bittel stand auf Platz 1 der KPD-Liste, Mia Bittel auf dem 5. Platz. Sie zogen gemeinsam ins Stadtparlament ein. Mia Bittel war hier unter anderem in der Abteilung für Kirchen-, Schul- und Gottesdienstwesen tätig. Das Ehepaar schied schon im Dezember 1924 aus der Stadtverordnetenversammlung aus und zog vermutlich gemeinsam nach Moskau, wo Karl Bittel im Bereich des Genossenschaftswesens arbeitete. Das Paar kehrte 1927 zurück nach Deutschland. Über Mia Bittels weitere politische Tätigkeiten bis 1933 ist kaum etwas bekannt.
Während der Zeit des Nationalsozialismus lebten Mia und Karl Bittel am Bodensee. Karl Bittel wurde 1933 für mehrere Monate inhaftiert. Das Ehepaar lebte nach seiner Haftentlassung 1934 unter Aufsicht der Geheimen Staatspolizei und in großer existentieller Not. Mia Bittel baute in diesem Zeitraum eine Handweberei auf, in der auch der älteste Sohn mitarbeitete. Nach Kriegsende übersiedelten sie 1948 in die Sowjetische Besatzungszone. Über Mia Bittel ist bekannt, dass sie in die Sozialistische Einheitspartei (SED) eintrat und in den 1950er Jahren eine Abteilung im Friedensrat der DDR leitete. Vermutlich lebte sie zusammen mit ihrem Ehemann in Ost-Berlin, der ab 1949 das Deutsche Institut für Zeitgeschichte leitete und ab 1957 Professor für Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin wurde.
Mia Bittel starb am 30. Oktober 1968 in Rostock.

 

Quellen:
- Stadtarchiv Weißenfels: Personenauskunft; A II 914 Beschlüsse der Stadtverordneten-Versammlung 1925; A II 913 Beschlüsse der Stadtverordneten-Versammlung 1924- Stadtarchiv Rostock: C 354 Sterbeurkunde Nr. 2148/1968
- Karl Bittel, in: Von Adelung bis Zwangsarbeit - 173 Stichworte zu Militär- und Nationalsozialismus in Darmstadt, Widerstandskämpfer aus Darmstadt, URL: https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/BittelKarl.htm
- Mia Bittel, in: LeoBW. Landeskunde entdecken, URL: https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/PERSON/wlbblb_personen/1253244057/Bittel+Mia
- Inga Pohlmann: "Es gibt aber keine andere Lösung als durch!". Das kämpferische Leben von Mia und Karl Bittel am Bodensee (1933-1949), in: Hegau - Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebietes zwischen Rhein, Donau und Bodensee, H. 78, 2021, S. 201-224

Letzte Änderung: 24.01.2026 -
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