Rosa Galle (1884-1960)

Anna Rosa Galle (geb. Habekus) wurde am 10. Mai 1884 in Weißenfels geboren. 1905 heiratete sie den Schuhmacher Otto Galle. Sie wohnte in der Merseburger Straße 98. Ob das Paar Kinder hatte, konnte nicht ermittelt werden.
Rosa Galle war zuerst in der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) engagiert, die sich während des Ersten Weltkriegs im Streit um die Weiterbewilligung von Kriegskrediten von der Sozialdemokratischen Partei (SPD) abgespalten hatte. Rosa Galle wurde 1919 neben Anna Zäuner und Berta Leffler in den Arbeiterrat Weißenfels gewählt. Sie kandidierte im Februar 1919 auch für die USPD für die Weißenfelser Stadtverordnetenversammlung. Auf dem Listenplatz 31 stand sie jedoch zu weit hinten, um ein Mandat zu erhalten. Im Auflösungsprozess der USPD, die in Teilen der Kommunistischen Partei beitrat, in Teilen sich wieder der "alten" Sozialdemokratischen Partei angliederte, entschied sich Rosa Galle für die Sozialdemokratie. Bei der nächsten Weißenfelser Stadtverordnetenwahl im Mai 1924 stand sie als bestplatzierte Frau auf der SPD-Liste (Platz 4) und zog ins Stadtparlament ein. Ihr Ehemann Otto Galle kandidierte ebenfalls, jedoch auf dem hinteren Platz 33, sodass er kein Mandat erhielt.
Rosa Galle tritt in den Protokollen der Weißenfelser Stadtverordnetenversammlung mehrfach in Erscheinung. Sie war an der Auswahl eines neuen Stadtbaurats beteiligt und leitete als Mitglied der Wahlabteilung mehrmals Neuwahlen für Ausschüsse und andere Ämter innerhalb der Stadtverordnetenversammlung. Sie war Mitglied in der Kommission für den Verkauf städtischen Eigentums sowie in der Abteilung für Armensachen. Darüber hinaus war sie in der Friedhofskommunalisierungs-Kommission, in der Jugendamtsdeputation, im Lebensmittelausschuss und in der Parkdeputation tätig.
Im November 1927 legte Rosa Galle zusammen mit den Stadtverordnetenkolleg:innen der USPD und der Wirtschaftlichen Vereinigung in einer Protestaktion gegen eine stadtplanerische Entscheidung der bürgerlichen Mehrheit ihr Stadtverordnetenmandat nieder. Sie kandidierte zur nächsten Stadtverordnetenwahl am 17. November 1929 wieder, verpasste auf dem 13. Listenplatz jedoch den erneuten Einzug ins Stadtparlament.
Über Rosa Galles weiteren Lebensweg ist nichts bekannt. Sie starb am 15. Januar 1960 in Weißenfels.

 

Quellen:
- Stadtarchiv Weißenfels: Personenauskunft; A II 914 Beschlüsse der Stadtverordneten-Versammlung 1925; A II 932 Kommission für den Verkauf städtischen Eigentums; A II 953 Veränderungen in den städt. Deputationen und Kommissionen 1924-33
- Elke Stolze: Die weiblichen „Herren Abgeordneten“. Politikerinnen der Region Sachsen-Anhalt 1918-1945, Halle/Saale 2007, S. 117

Letzte Änderung: 24.01.2026 -
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