Anna Zäuner (1886-1917)
Anna Zäuner (geb. Suderlau) wurde am 13. Januar 1886 in Weißenfels geboren. Sie heiratete 1909 in Weißenfels den Schumacher Emil Zäuner, der 1916 als Soldat fiel. Mit ihm hatte sie zwei Kinder, die 1910 und 1912 geboren worden waren. Anna Zäuner war ausgebildete Stepperin, arbeitete in Heimarbeit und später in einer Schuhfabrik. Sie soll seit 1908 politisch und schon zuvor gewerkschaftlich organisierte gewesen sein. Sie wohnte in der Kubastraße 17.
Zusammen mit den späteren Stadtverordneten Emma Dünkler, Anna Brock und Berta Leffler sowie weiteren 'Genossinnen' war Anna Zäuner 1918 in der Frauenkommission der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USDP) aktiv und wandte sich in einem öffentlichen Aufruf an alle Arbeiterinnen, sich politisch zu engagieren. 1919 wurde sie in den Arbeiterrat in Weißenfels gewählt. Zur ersten Stadtverordnetenwahl am 23. Februar 1919 in Weißenfels stand Anna Zäuner auf dem 8. Platz der USPD-Liste und zog direkt ins Stadtparlament ein. Sie war unter anderem in der Abteilung für Kassenprüfungen, in der Abteilung für Flur- und Einquartierungswesen und in der Abteilung für Schlussrechnungswesen tätig. Sie berichterstatte mehrfach aus der Abteilung für Wahlen. Anna Zäuner setzte sich klassenbewusst dafür ein, dass proletarische Frauen die Interessen von Arbeiterfamilien in den städtischen Gremien vertraten. So verwehrte sie sich in einer Diskussion 1922 dagegen, dass bürgerliche Frauen Mitglied in der Kinderschutzkommission wurden.
Mit dem Zusammenschluss großer Teile der USPD mit der Kommunistischen Partei (KPD) im Jahr 1920 wechselte auch Anna Zäuner zur KPD über. Für diese kandidierte sie 1921 für den Landtag der Preußischen Provinz Sachsen, in den sie 1924 nachrückte. Aus der Stadtverordnetenversammlung in Weißenfels schied sie 1924 zum Ende der Wahlperiode aus. Sie setzte ihre politische Arbeit jedoch auf überregionaler Ebene fort. 1925 und 1929 wurde sie wieder in den Provinziallandtag gewählt. Als dortige Abgeordnete engagierte sie sich unter anderem für die Versorgung von Erwerbslosen und Bedürftigen, wobei sie die besondere Not von Frauen betonte. Sie setzte sich außerdem für die Abschaffung des Paragrafen 218 ein, der Abtreibung unter Strafe stellte. 1926 heiratete Anna Zäuner den Arbeiter Adolf Becker und verließ Weißenfels zeitweise. 1929 wurde sie, nun unter dem Namen Anna Becker, Mitglied des Kreistages Querfurt.
Anna Zäuner, inzwischen Anna Becker, starb im Jahr 1970.
Quellen:
- Eva Labouvie (Hg.): Frauen in Sachsen-Anhalt 2. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945, Köln 2019, S. 463
- Stadtarchiv Weißenfels: A II 904 Stadtverordneten-Versammlung (Beschlüsse) 1919/1; A II 906 Stadtverordneten-Versammlung (Beschlüsse) 1920; A II 909 Sitzungsbericht der Stadtverordneten-Versammlung 1921/22
- Elke Stolze: Die weiblichen „Herren Abgeordneten“. Politikerinnen der Region Sachsen-Anhalt 1918-1945, Halle/Saale 2007, S. 110, S. 117 ff.
