Hedwig Krüger (1882-1938)
Alma Hedwig Krüger (geb. Hennig) wurde am 1. April 1882 in Halle geboren. Sie heiratete 1912 den Tischler Max Krüger, der vermutlich 1919 starb. Das Paar bekam keine eigenen Kinder, Hedwig Krüger zog jedoch zusammen mit ihrer Mutter die vier Kinder ihrer verstorbenen Schwester sowie den Sohn ihres Bruders auf. Sie wohnten in der Reilstraße 133.
Hedwig Krüger stammte aus einer politischen Familie. Sie war seit 1908 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei (SPD) und wechselte während des Ersten Weltkrieges zur linkssozialistischen Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD). 1919 wurde sie in den Arbeiterrat in Halle gewählt. 1920 trat sie der Kommunistischen Partei (KPD) bei und gehörte dem Zentralausschuss der KPD Halle-Merseburg an.
Zur Wiederholungswahl am 27. April 1919 kandidierte Hedwig Krüger für die Stadtverordnetenversammlung in Halle. Sie stand auf dem 14. Listenplatz der USPD und erhielt ein Mandat. Dieses legte sie im Oktober 1921 vorzeitig nieder, da sie in Folge ihres Mitwirkens bei den Märzkämpfen in Mitteldeutschland 1921 eine Haftstrafe antreten musste. Die sogenannten Märzkämpfe waren eine von linksradikalen Kräften initiierte politische Revolte, die niedergeschlagen wurde. Hedwig Krüger wurde nach knapp 3 Monaten aus der Haft entlassen. 1924 trat sie wieder zur Stadtverordnetenwahl an, dieses Mal auf der kommunistischen Liste auf Platz 5. Sie erhielt erneut ein Mandat. Als gewählte Stadtverordnete war sie in zahlreichen Ausschüssen und Deputationen unterschiedlicher Fachrichtungen tätig, darunter im Haushaltsausschuss, im Rechts- und Verfassungsausschuss, in der Armendirektion, im Hospitalvorstand, in der Schuldeputation und im Beirat der Strafanstalten. Sie galt als sehr streitlustig und engagiert und wurde dafür von der bürgerlichen und sozialdemokratischen Presse diffamiert.
Im Mai 1924 wurde sie für die KPD in den Reichstag gewählt, blieb aufgrund der kurzen Wahlperiode jedoch nur wenige Monate lang Reichstagsabgeordnete. Im Dezember 1924 gewann sie ein Mandat für den Preußischen Landtag, was sie bis 1928 erfüllte. Deswegen legte sie ihr Stadtverordnetenmandat Anfang 1925 nieder. Bis zur nationalsozialistischen Machtübernahme war sie weiterhin in der "Roten Hilfe" und als Rednerin für die KPD tätig.
Im März 1933 tauchte Hedwig Krüger unter, um der politischen Verfolgung zu entgehen. Sie wurde 1934 in Leipzig gefasst, wo sie unter falschem Namen arbeitete. Nach Verhören durch die Geheime Staatspolizei in Halle wurde sie in die Konzentrationslager Lichtenburg und Moringen verbracht. Im Juni 1935 erfolgte ihre Entlassung, wobei empfohlen wurde, sie weiterhin zu beobachten. Hedwig Krüger starb am 16. Februar 1938 an den gesundheitlichen Folgen der Haft in Halle.
Quellen:
- Stadtarchiv Halle: Heiratsregister A 2.1/3 H 1912/1, Nr. 151/1912
- Courage e.V. Halle (Hg.): "Der Staat ist, was seine Frauen sind". Hallenser Parlamentarierinnen in der Zeit der Weimarer Republik (1918–1933), Halle/Saale 2003, S. 27-31
- Arolsen Archives: Signatur 2798011, 1933-1939, Einlieferungen im KZ Moringen Zeitraum 06.12.34-30.09.37
